Flexopack OPS 09.08.2026

Erstgespräch Allhaming10.08.2026SB Media · Niklas Simmel

Flexopack OPS

Recherche, Architektur und Gesprächsvorbereitung für die Digitalisierung von Produktion und Mitarbeiterportal. Vollständige Unterlagen in einem Dokument.

01 · Briefing — Flexopack OPS

Ausgangslage, Unternehmen, Eigentümerstruktur, Stakeholder und was tatsächlich angefragt wurde. Stand: 09.08.2026, vor dem Erstgespräch im Werk Allhaming.


1. Das Unternehmen#

Flexopack Verpackungen GmbH, Allhaming 110, 4511 Allhaming, Oberösterreich.

FirmenbuchnummerFN 122286 h (LG Linz)
UIDATU22720205
Gegründet27.07.1988
TätigkeitFlexible Verpackungen aus Papier, Folien und sonstigen Packstoffen; Handel mit Packmitteln
Mitarbeiter~50
Exportquote45 %
Maschinenpark4 Flexodruckmaschinen mit 8 Farbwerken, Flaggschiff W&H NOVOFLEX (Druckbreite 1.650 mm)
MarktsegmenteFood, Non-Food, Industrie, Wellpappe, Tabak, Hygiene, Petcare
GeschäftsführerThomas Kaisermair (seit 14.02.2025, alleinvertretungsbefugt)

Wirtschaftliche Kennzahlen (Stichtag 31.01.2025, laut Firmenbuch-Aggregatoren):

KennzahlWertVeränderung
Bilanzsumme€ 4.711.546−26,1 %
Anlagevermögen€ 1.060.167−43,3 %
Umlaufvermögen€ 3.425.983−17,2 %
Eigenkapital€ 1.542.955−62,4 %
Bilanzgewinn€ 1.506.618

Bilanzsumme im Zeitverlauf: 2021 € 7,9 Mio · 2022 € 8,0 Mio · 2023 € 7,2 Mio · 2024 € 6,4 Mio · 2025 € 4,7 Mio.

Interpretation: Der starke Rückgang bei Bilanzsumme, Anlagevermögen und Eigenkapital fällt zeitlich exakt mit der Übernahme zusammen (siehe unten) und ist mit hoher Wahrscheinlichkeit transaktionsbedingt — Vermögenswerte, die im Zuge des Verkaufs entnommen, ausgeschüttet oder in eine andere Gesellschaft übertragen wurden. Kein Krisenindikator. Der ausgewiesene Bilanzgewinn von € 1,5 Mio. spricht für ein solide verdienendes Unternehmen.

Nicht im Erstgespräch ansprechen. Bilanzstruktur und Transaktionsdetails sind nicht unser Thema und wirken indiskret. Relevant ist ausschließlich: das Unternehmen kann eine Investition dieser Größenordnung tragen.


2. Eigentümerstruktur — der wichtigste Kontext#

Flexopack wurde im Januar 2025 zu 100 % von der Loxone Lighthouse GmbH übernommen.

Loxone Lighthouse GmbH, Smart Home 1, 4154 Kollerschlag (FN 455454 k):

Loxone GmbH ist der oberösterreichische Hersteller von Gebäudeautomation / Smart-Home-Technik: eigene Hardware, eigene Firmware, eigene Serversoftware, weltweites Partnernetz. Also ein technisch außerordentlich versierter Eigentümer.

Was das für uns bedeutet#

  1. Das PDF ist die Agenda des neuen Geschäftsführers. Ein GF, der 18 Monate im Amt ist und von einem Technologie-Eigentümer eingesetzt wurde, digitalisiert die Produktion, weil genau das sein Auftrag ist. Wir helfen dem Käufer, sein Versprechen einzulösen — die stärkste denkbare Deal-Konstellation.
  2. Budgetrahmen ist nicht das Problem. Ein Loxone-gehaltenes Unternehmen mit € 1,5 Mio. Bilanzgewinn bewertet ein mehrjähriges Produktionsplattform-Programm im niedrigen sechsstelligen Bereich als normal. Die reale Alternative — ein Standard-MES — kostet € 80.000–200.000 an Lizenz und Einführung plus 18–22 % Wartung jährlich, dauerhaft.
  3. Die technische Messlatte liegt höher. Es ist damit zu rechnen, dass die Architektur von jemandem auf Gruppenebene gelesen wird. Das spricht für unseren Ansatz (Cloud + ausgehender Connector, Postgres, phasenweise, dokumentierter Notfallbetrieb) — und gegen jede Schluderei.
  4. Der Haupteinwand wird lauten: „Warum ein Einzelentwickler?" Muss beantwortet sein, bevor er gestellt wird — siehe 06-kommerziell.md, Abschnitt „Bus-Faktor".
  5. Die Entscheidungskette muss geklärt werden. Gibt es Gruppen-IT bei Loxone Lighthouse oder Loxone? Gibt es Konzernstandards (Microsoft/Azure)? Könnte man versucht sein, intern zu bauen?

Umgang mit diesem Wissen im Termin: nicht damit eröffnen — das wirkt wie vorgeführte Due Diligence. Stattdessen früh und beiläufig fragen: „Wer entscheidet über das Budget, und wer muss zustimmen?" Kommt die Eigentümerstruktur zur Sprache, zeigen, dass man sie kennt — ein Loxone-gestützter GF respektiert Hausaufgaben.

Nebenbefund: Die Positionierung „Familienunternehmen" auf flexopack.at ist seit Januar 2025 sachlich überholt. Das ist ein separater, höflicher Hinweis wert — nicht in diesem Termin, aber bei Gelegenheit.


3. Vorgeschichte der Zusammenarbeit#

Was uns dieser Vorfall über die IT-Landschaft verrät:

BeobachtungSchlussfolgerung
Domain Controller FPD02 (impliziert FPD01)On-Premise Windows Active Directory, mindestens zwei DCs, also virtualisierte Serverumgebung vorhanden
Interne AD-Domain = öffentliche DomainKlassische, gewachsene Installation
Microsoft Forms und M365 laut PDF im EinsatzSehr wahrscheinlich Entra ID (Azure AD) hybrid angebunden
Eigene MX-Einträge, office@, bewerbung@Mailsystem existiert; wahrscheinlich M365
Jemand konnte den DNS-Eintrag setzenEs gibt eine IT-Verantwortung — intern oder als externes IT-Haus

Diese IT-Verantwortlichen sind der wichtigste einzelne Stakeholder für die technische Umsetzbarkeit. Wer immer den Connector-Server bereitstellt, die Firewall-Regel freigibt und die Tablets ins WLAN lässt, kann das Projekt beschleunigen oder still begraben. Im Termin identifizieren und mit ins Boot holen.


4. Was angefragt wurde#

Das Handout „Projektübersicht Digitalisierung" umfasst zehn nummerierte Bausteine, fünf Projektphasen und zwölf Fragen an uns.

Leitidee des Kunden: „Daten dort erfassen, wo sie entstehen — einmal erfassen, mehrfach nutzen. Papier und Doppeleingaben konsequent reduzieren."

Grundsätze laut Kunde: einfache Bedienung · Tablet-first · Rollen & Rechte · zentrale Datenbasis · Echtzeit wo sinnvoll · ABAS-Anbindung · modular erweiterbar.

Genannte Kernsysteme: Samsung Galaxy Tab Active5 · Microsoft 365 / Forms · ABAS ERP · neu zu entwickelnde Web-/Datenbankkomponenten.

Die zehn Bausteine im Detail: siehe 04-module.md.

Die entscheidende Neuinterpretation#

Das Dokument liest sich wie ein Projekt. Es sind faktisch drei Produkte auf einem Fundament:

BlockBausteineNutzerRisikoprofil
A · MitarbeiterportalService Portal, Urlaub, Krankenstand, Zeiterfassungalle ~50, inkl. BüroPersonaldaten, Betriebsrat, lohnrelevant
B · Shopfloor / MES-nahProduktionsplanung, Rückmeldung, Maschinenheft, Chargenscan, Farblager, Klischee, Rollenschneider~30 in der Produktionproduktionskritisch, Tablet-first, Offline-exponiert
C · Integration & KennzahlenABAS lesen/schreiben, DashboardsLeitungdie Bruchstelle

Gemeinsam haben sie: einen Login, ein Rollenmodell, eine Datenbank. Mehr nicht. Sie als einen Monolithen zu behandeln ist der Weg zu einem Zwei-Jahres-Projekt, das nie live geht. Sie als drei Stränge auf einem Fundament zu behandeln ist der Weg, das Projekt zu gewinnen und auszuliefern.

Der Wertkern liegt in Block B, konkret in Baustein 7 plus dem Ampelstreifen auf Seite 3 des Handouts: Klischees vorhanden → Klischees fertig → Farben fertig → Material verfügbar → Produktionsbereit. Alles andere auf dieser Seite speist diese Ampel.

Genau dafür gibt es kein Standardprodukt, weil kein Hersteller die Vorstufenkette eines Flexodruckers so modelliert, wie Flexopack sie lebt. Das ist der Grund, warum sie mit uns sprechen und nicht mit einem MES-Anbieter — und das ist unsere Positionierung.


5. Stakeholder-Landkarte (im Termin zu vervollständigen)#

RolleNameInteresseWarum wichtig
GeschäftsführerThomas KaisermairDigitalisierungsauftrag einlösen, Transparenz, EffizienzBudgetentscheider, Auftraggeber
EigentümerLoxone Lighthouse / Loxone GmbHLangfristige Wertentwicklung, technische QualitätMöglicher Prüfer der Architektur, evtl. Zustimmungsvorbehalt
IT-Verantwortung? — zu klärenBetreibbarkeit, Sicherheit, kein zusätzlicher AufwandStellt VM, Firewall, WLAN, DNS bereit. Machtposition.
ABAS-Partner? — zu klärenAuslastung, eigenes GeschäftKontrolliert den ERP-Zugang. Verbündeter oder Flaschenhals.
Produktionsleitung? — zu klärenTermintreue, weniger ChaosFachlicher Sponsor für Baustein 7
Arbeitsvorbereitung / Innendienst? — zu klärenWeniger DoppeleingabenKennt ABAS am besten, kennt die Druckliste
Schichtführer / Bediener? — zu klären„Macht mir das die Arbeit leichter?"Entscheidet über die tatsächliche Nutzung
Betriebsrat? — zu klärenMitarbeiterschutz, § 96 ArbVGKann Zeiterfassung und Maschinenheft blockieren
Lohnverrechnung? — intern oder Steuerberater?Saubere DatenübergabeDefiniert das Exportformat

6. Zielsetzung dieses Erstgesprächs#

Dieser Termin ist Erkundung, kein Pitch. Das Ziel ist nicht, ein Angebot zu platzieren, sondern:

  1. Zu verstehen, wie Flexopack tatsächlich produziert — vom Kundenauftrag bis zur fertigen Rolle.
  2. Zu verstehen, was ABAS in diesem Unternehmen ist, kann und darf.
  3. Die kritischen Unbekannten zu schließen: ABAS-Version und Lizenzstatus, IT-Verantwortung, WLAN in der Halle, Betriebsrat, Altsystem Zeiterfassung, Lohnverrechnung.
  4. Fachlich so aufzutreten, dass die Architekturhoheit bei uns landet.
  5. Eine Größenordnung nennen zu können, ohne eine Zahl zu raten.

Fragenkatalog, Ablauf und Beobachtungscheckliste: 07-meeting-kit.md. Kurzfassung fürs Handy: 08-cheatsheet.md.

02 · ABAS ERP — Studienmaterial

Was ein ERP ist, was ABAS besonders macht, wie man es technisch anspricht, welches Vokabular man im Raum braucht und welche Fragen man stellen muss. Lesbar in ~20 Minuten. Gedacht als Zugslektüre vor dem Termin.


1. Was ein ERP eigentlich ist#

Ein ERP (Enterprise Resource Planning) ist das System of Record für die kaufmännische Realität eines Unternehmens: Artikel, Stücklisten, Arbeitspläne, Kunden, Aufträge, Einkauf, Lager, Fertigungsaufträge, Kalkulation, Rechnungen, Buchhaltung. Jede Zahl, die auf einer Rechnung oder im Jahresabschluss landet, entsteht dort.

Der Denkfehler, den man als Webentwickler mitbringt, ist der wichtigste, den man ablegen muss:

Unsere Web-AppsIhr ERP
Wir besitzen das SchemaDas Schema gehört ihnen, ist 20+ Jahre alt, vom Partner angepasst
Ein falscher Write = ein BugEin falscher Write = falsche Lagerbewertung, falsche Rechnung, Feststellung bei der Prüfung
Wir können migrierenSie können nicht; das ERP überlebt jedes Satellitensystem
Wir wählen die APIWir bekommen die Schnittstelle, die sie lizenziert haben

Daraus folgt die einzig richtige Haltung: nicht „wir integrieren ABAS", sondern „wir sind ein guter Gast in einem fremden Haus".

Unsere Anwendung ist ein Satellit. Sie erfasst, was das ERP nicht gut erfassen kann — was minütlich in der Halle passiert, mit Handschuhen bedient — und übergibt dem ERP die Zusammenfassung, die es braucht. Das ERP bleibt Wahrheit für Aufträge, Artikel und Kosten. Wir sind Wahrheit für Shopfloor-Ereignisse.

Warum ERPs für Shopfloor-Arbeit schlecht geeignet sind#

Nicht, weil sie schlecht gebaut wären, sondern weil sie für andere Nutzer gebaut sind: Sachbearbeiter am Desktop, Maus und Tastatur, mit Zeit und Kontext. Ein Drucker mit Handschuhen an einer 8-Farben-Maschine, der um 03:40 Uhr eine Störung dokumentieren soll, ist kein ERP-Nutzer. Deshalb existiert die gesamte Produktkategorie MES/BDE — und deshalb ist unser Projekt kein Konkurrent zu ABAS, sondern dessen Verlängerung in die Halle.

Diesen Satz kann man im Termin fast wörtlich verwenden. Er beruhigt jeden, der Angst hat, dass hier ein Parallelsystem entsteht.


2. ABAS im Besonderen#

Deutscher Hersteller (Karlsruhe, Wurzeln in den 1980ern), Zielgruppe Fertigungsunternehmen mit 50–1.000 Mitarbeitern. Flexopack liegt exakt in der Mitte dieser Zielgruppe. Zwei Eigenschaften prägen alles:

2.1 Es ist keine SQL-Datenbank#

ABAS läuft auf einer eigenen, objektorientierten Datenbank. Objekte werden als Datenbank:Gruppe adressiert — Zahlenpaare, z. B. 2:1 für Artikel/Produkt, 3:30 für Verkaufschance, 09:02 für Rückmeldungen.

Praktische Folge: Man kann nicht einfach „die Tabellen abfragen". Es gibt zwar eine ODBC/SQL-Brücke, aber sie ist lesend und ein Sonderweg. Alles, was wir bekommen, bekommen wir über eine der offiziellen Schnittstellen.

2.2 Es ist pro Kunde individuell programmiert#

ABAS liefert eine eigene 4GL-Sprache namens FO sowie das Konzept der Infosysteme — vom Partner gebaute Auswertungs- und Eingabemasken. Praktisch jede ABAS-Installation hat eigene Felder, eigene Masken, eigene Logik, die in keiner Herstellerdokumentation stehen.

Praktische Folge: Es gibt kein generisches Mapping. Wer die Anpassungen gebaut hat, ist eine Person mit Namen und Stundensatz. Diese Person zu finden ist eine der wichtigsten Aufgaben des Erstgesprächs.

2.3 Betriebsmodell#

ABAS läuft traditionell on-premise auf einem Linux-Server im Kundennetz. Es gibt inzwischen partner-gehostete Private-Cloud-Varianten. Multi-Tenant-SaaS ist ausdrücklich nicht die Produktstrategie — die Anpassungstiefe ist damit nicht vereinbar.

Praktische Folge, und das ist die wichtigste Architekturerkenntnis des ganzen Projekts: ABAS steht hinter ihrer Firewall. Eine Cloud-App kann es nicht direkt anrufen. Die Lösung dafür ist der Connector — siehe 03-architektur.md.


3. Die Zugangswege, geordnet#

WegWas es istBewertung für uns
REST APIOAuth 2.0, Objekte unter obj/data/2:1, lesen + anlegen + ändern, HATEOAS-NavigationDer Wunschweg. Muss lizenziert und aktiviert sein (etwa ab 2019r4)
EDP-ProtokollUrsprüngliches TCP-Protokoll, Port 6550, Java-/JEDP-BibliothekenFunktioniert, ist alt und Java-geprägt. Fallback, wenn REST nicht lizenziert ist
AJOabas Java Objects, objektorientiertes Java-FrameworkGleiches Terrain, Partner-Werkzeug
ODBC / SQLLesende BrückeFür Dashboards brauchbar, für Rückschreiben unbrauchbar
abas ConnectMiddleware für Nachrichtenkonvertierung und RoutingZusätzliche Lizenz, zusätzlicher Hersteller. Fragen, ob bereits vorhanden
EDIKlassischer GeschäftsdatenaustauschFür unseren Anwendungsfall irrelevant
Datei-/CSV-AustauschGeplanter Export/Import über ein VerzeichnisUnelegant, immer verfügbar — unser Notausgang, der Phase 1 entkoppelt

3.1 Die gute Nachricht zur Rückmeldung#

Produktionsrückmeldung ist in ABAS kein exotischer Sonderweg. Eine Rückmeldung ist ein Datensatz in 09:02 mit dem Modus DONE. ABAS liefert dafür ab Werk Infosysteme mit — BDE buchen und BDE-Rückmeldung — über die Mitarbeiter Zeiten und Mengen erfassen.

Wir bitten also nicht um etwas Neues, sondern darum, einen Mechanismus zu befüllen, den ihr System bereits hat. Dieser Satz im Termin nimmt der ganzen Integrationsfrage die Schwere.

3.2 Der Notausgang, den man sich immer sichern muss#

Falls REST nicht lizenziert ist, der Partner keine Zeit hat oder die Freigabe dauert:

Ein geplanter CSV-Export der offenen Fertigungsaufträge in ein Verzeichnis, das unser Connector liest, kostet ihren Partner ein bis zwei Stunden und entkoppelt unsere gesamte Phase 1 von der ABAS-Politik.

Ohne ein „Ja" zu dieser Frage sollte man den Termin nicht verlassen.


4. Das Vokabular, das im Raum Glaubwürdigkeit erzeugt#

BegriffBedeutungBedeutung für uns
ArtikelProdukt oder Material; auch Rohware (Folie, Farbe, Klischee)Stammdaten, die wir lesen
StücklisteWas in ein Produkt eingehtMaterialverfügbarkeit für die Ampel
ArbeitsplanAbfolge von Arbeitsgängen zur HerstellungKernfrage: sind Klischee und Farbe darin?
ArbeitsgangEinzelner Schritt: Vorstufe, Drucken, Kaschieren, Schneiden … mit Arbeitsplatz, Rüstzeit, StückzeitUnsere Aufgabenzeilen in der Planung
Arbeitsplatz / KostenstelleBetriebsmittel = MaschineUnsere Maschinenliste
KundenauftragVerkaufsauftragUrsprung, Termin, Menge
Fertigungsauftrag (auch Betriebsauftrag)Der ProduktionsauftragDas Mapping-Zentrum des Projekts
RückmeldungMeldung: Arbeitsgang erledigt, Gutmenge, Ausschuss, ZeitenWas wir zurückschreiben wollen (09:02, Modus DONE)
ChargeLos- / ChargennummerBaustein 5, Rückverfolgbarkeit
LagerbewegungZu-/Abgang im LagerFarblager, Materialverbrauch
InfosystemIndividuell gebaute Auswertungs-/EingabemaskeZeigt, was der Partner schon gebaut hat
SelektionAbfrage / FilterWie man in ABAS Daten sucht
FODie proprietäre 4GL-Sprache von ABASWas der Partner programmiert
BDEBetriebsdatenerfassungDer Produktkategorie-Name für unseren Block B
PZEPersonalzeiterfassungDer Produktkategorie-Name für Baustein 2

Der wichtigste Satz zum Mitnehmen#

Was unsere App „ein Auftrag auf Maschine 3" nennt, muss auf ihren Fertigungsauftrag plus Arbeitsgang abgebildet werden.

Hat man dieses Mapping, folgt alles Weitere. Hat man es nicht, baut man ein Paralleluniversum, das nie wieder mit der Realität zusammenkommt.


5. Was man sich im Termin zeigen lassen sollte#

20 Minuten mit der Person, die tatsächlich in ABAS arbeitet (Arbeitsvorbereitung oder Innendienst), und einen echten Auftrag durchgehen:

  1. Ein Kundenauftrag für einen realen Druckjob — welche Felder sind fachlich relevant?
  2. Der daraus erzeugte Fertigungsauftrag — wo steht die Maschine, wo der Plantermin, wo die Menge?
  3. Sein Arbeitsplansind Klischee und Farbvorbereitung eigene Arbeitsgänge in ABAS oder existieren sie nur auf Papier?

Das ist der Angelpunkt für Baustein 7. Sind sie Arbeitsgänge, ist unsere Ampel weitgehend eine Sicht auf ihre Daten. Sind sie es nicht, sind wir das führende System dafür — und das Datenmodell sieht völlig anders aus.

  1. Die Druckliste, die das Büro heute ausdruckt — das ist die reale Ist-Spezifikation der Planungstafel. Abfotografieren.
  2. Eine Rückmeldung beim Buchen — macht das heute überhaupt jemand, und woher kommt die Zahl?
  3. Eine Charge auf einem Lieferschein — wie gelangen Chargennummern heute nach ABAS?
  4. Ein Infosystem, das täglich benutzt wird — zeigt, was der Partner bereits gebaut hat und wie versiert er ist.

6. Der Fragenkatalog ABAS#

  1. Welche ABAS-Version ist im Einsatz, und wann wurde zuletzt aktualisiert? (REST braucht etwa 2019r4+)
  2. Wer ist Ihr ABAS-Partner, und wer dort macht Ihre Anpassungen? (der Gatekeeper)
  3. Ist die REST-API lizenziert und aktiviert? Falls nein: was kostet die Freischaltung, und sind Ihre Lizenzbedingungen von 09/2017 oder neuer? (die konkrete Blockade)
  4. Läuft ABAS on-premise auf Ihrem eigenen Server oder beim Partner gehostet? Welcher Server, welches Netzsegment?
  5. Ist abas Connect oder eine EDI-Middleware bereits im Einsatz?
  6. Wer hat jemals ein Infosystem oder eine FO-Anpassung für Sie gebaut — gibt es Dokumentation?
  7. Sind Klischee und Farbvorbereitung als Arbeitsgänge im Arbeitsplan abgebildet, oder nur informell?
  8. Bucht heute jemand Rückmeldungen in ABAS? Ist das BDE-Modul lizenziert?
  9. Falls wir zunächst keinen API-Zugang bekommen: können Sie einen geplanten Export (CSV) der offenen Fertigungsaufträge bereitstellen? (niemals ohne ein Ja hier gehen)
  10. Gibt es ein Test-/Sandbox-System von ABAS, gegen das wir entwickeln können?
  11. Wer pflegt die Stammdaten (Artikel, Arbeitspläne)? Wie aktuell sind sie tatsächlich?
  12. Gibt es bereits Auswertungen/Kennzahlen aus ABAS — und warum reichen sie nicht?

Frage 9 ist das Sicherheitsnetz. Frage 3 ist die Blockade. Frage 10 entscheidet, ob Integration eine ruhige Ingenieursaufgabe oder russisches Roulette auf Live-Produktionsdaten wird.

Regel ohne Ausnahme: niemals Rückschreiben gegen ihr Live-System testen. Kein Testsystem heißt: erst ein bezahlter Machbarkeits-Spike mit dem Partner, dann ein Angebot.


7. Antworten lesen — Ampel#

GrünGelbRot
ABAS-Version 2021+Version 2019–2020Version älter als 2019
Namentlicher Partneransprechpartner, gutes VerhältnisPartner nur über Ticketsystem erreichbar„Der Partner macht alles und rechnet stundenweise ab"
Testsystem vorhandenTestsystem herstellbarKein Testsystem, keine Absicht
REST bereits lizenziertLizenz käuflich, Preis bekanntLizenzstatus unbekannt, niemand zuständig
BDE-Modul lizenziert, Rückmeldungen laufenBDE lizenziert, aber ungenutztKein BDE, kein Interesse
Klischee/Farbe sind ArbeitsgängeTeilweise abgebildetExistiert nur auf Papier
Jemand im Haus kennt die AnpassungenDokumentation existiertNiemand weiß, wie ihr ABAS angepasst ist

Der letzte rote Punkt ist der gefährlichste. Tritt er ein, ist die professionelle Antwort:

„Bevor ich die Integration seriös anbieten kann, brauchen wir einen kurzen, bezahlten Machbarkeits-Spike gemeinsam mit Ihrem ABAS-Partner. Alles andere wäre geraten."

Das ist keine Schwäche. Das ist die Antwort, die ein Profi gibt.


8. Kernbotschaft zur Integrationsarchitektur#

Auch wenn morgen kein Pitch ansteht — dieser eine Satz sollte fallen, weil er die gesamte spätere Diskussion prägt:

„ABAS ist ein System, mit dem wir synchronisieren, nie ein System, von dem wir synchron abhängen."

Konkret: Unsere Datenbank ist Wahrheit für Shopfloor-Ereignisse. Rückmeldungen gehen in eine ausgehende Warteschlange mit Wiederholungen und sichtbarer Fehlerkonsole — niemals als blockierender Aufruf im Moment, in dem jemand auf ein Tablet tippt.

Drei Konsequenzen, alle zu unseren Gunsten:

  1. Phase 1 und 2 funktionieren ohne jeden ABAS-Schreibzugriff. Lesend oder sogar nur per Nachtexport. Das entkoppelt unsere Auslieferung vom Zeitplan ihres ERP-Partners — der klassischen Todesursache solcher Projekte.
  2. Wenn ABAS steht oder langsam ist, laufen die Maschinen weiter.
  3. Der Schreibpfad wird ein abgegrenztes, separat kalkulierbares Arbeitspaket statt ein diffuses Risiko im Gesamtpreis.

Quellen#

03 · Architektur, Sicherheit und Datenschutz

Zielarchitektur, Netzwerktopologie, Technologieentscheidungen, Rollenmodell, Datenklassifizierung und Rechtsrahmen. Beantwortet die Kundenfragen 1, 3, 4, 6, 8, 9 und 11 aus dem Handout.


1. Die entscheidende Frage, die im Handout fehlt#

Das Handout fragt nach der Gesamtarchitektur, aber nicht nach dem, was sie tatsächlich determiniert:

ABAS steht on-premise hinter der Firewall. Wo läuft dann unsere Anwendung?

Der naheliegende Reflex — „dann muss unsere App auch dort laufen" — ist falsch, und diesen Irrtum zu vermeiden ist die wichtigste Einzelentscheidung des Projekts.

Nur das, was mit ABAS spricht, muss drinnen sein. Die Anwendung nicht.


2. Zielarchitektur: Cloud + ausgehender Connector#

                      Internet / Cloudflare
   ┌──────────────────────────────────────────────────┐
   │  Flexopack OPS (SvelteKit auf Cloudflare Workers)│
   │  Neon Postgres (EU / Frankfurt)                  │
   │  R2 (Fotos, Anhänge, Etiketten-PDFs)             │
   └───────▲───────────────────────▲──────────────────┘
           │ HTTPS                 │ HTTPS (nur ausgehend
           │                       │ vom Werk initiiert)
   ┌───────┴────────┐      ┌───────┴───────────────────┐
   │ Tablets, PCs,  │      │  Connector (VM im Werk)   │
   │ Terminals      │      │  · pollt Aufgaben         │
   │ (WLAN / LTE)   │      │  · spricht ABAS lokal     │
   └────────────────┘      │  · meldet Ergebnis zurück │
                           └───────┬───────────────────┘
                                   │ lokal (REST / EDP 6550 / Datei)
                           ┌───────┴───────────────────┐
                           │  ABAS ERP (Linux-Server)  │
                           └───────────────────────────┘

Wie der Connector funktioniert#

Ein kleines Programm auf einer VM im Werksnetz. Es hält keinen offenen Port. Es ruft in regelmäßigen Abständen unsere Cloud-API an — dieselbe Art Verbindung, die jeder Browser im Büro aufbaut — und fragt: „Liegt etwas für mich an?" Dann erledigt es die ABAS-Arbeit lokal und meldet das Ergebnis per HTTPS zurück.

Was das konkret einbringt:

VorteilWarum das zählt
Keine eingehende Firewall-Regel, kein VPN, kein offener Port, keine feste IPDie IT muss genehmigen: „diese VM darf ausgehend 443 zu ops.flexopack.at". Das ist bereits für jeden Rechner im Haus wahr. Fünf Minuten statt fünf Wochen
ABAS-Zugangsdaten verlassen das Gebäude nieSie liegen auf dem Connector. Unsere Cloud speichert keine. Starke, wahre Antwort auf Kundenfrage 9
Wir betreiben keine Hardware des KundenSie stellen die VM (AD-Server ⇒ Hyper-V oder VMware vorhanden). Wir liefern Installer, Konfiguration und Health-Endpoint
Ausfall ist harmlosStirbt der Connector, staut sich die Warteschlange und wir bekommen einen Alarm. Nichts brennt, nichts wird inkonsistent
Deployment bleibt bei unsGit-Push, live. Keine RDP-Sitzung im Werk für einen Bugfix
ABAS-Umbau ändert nichts an der AppDer Connector ist die einzige Stelle, die ABAS kennt. Wechsel auf CSV, EDP oder REST betrifft nur ihn

Cloudflare Tunnel wäre eine fertige Variante derselben Idee. Wir bauen trotzdem einen eigenen Connector: Polling ist dümmer, und dümmer ist robuster — kein zusätzlicher Herstellervertrag, kein Verhalten, das wir nicht selbst debuggen können.

Warum nicht auf ihrem Server hosten#

Die Alternative — SvelteKit und Postgres auf ihrer Linux-Maschine — macht uns verantwortlich für Betriebssystem-Patches, Backups, TLS-Zertifikate, Verfügbarkeit und einen Anruf um 02:00 Uhr. Im Gegenzug erhalten wir nichts, was wir brauchen. Für ein Ein-Personen-Unternehmen ist das der falsche Tausch.

Der eine Umstand, der die Cloud-Variante kippen würde#

Haben die Tablets in der Produktionshalle überhaupt Internetzugang, oder ist das Shopfloor-WLAN isoliert? Manche Werksnetze sind es. Muss im Termin geklärt werden.

Wenn isoliert, ist die saubere Antwort nicht ein On-Premise-Server, sondern Tab Active5 mit LTE und Daten-SIM (rund € 5–10 pro Gerät und Monat). Das macht die Tablets zusätzlich unabhängig von der WLAN-Qualität und von ihrer Internetleitung — eine bessere Resilienzgeschichte als ein On-Premise-Server, zu einem Bruchteil des Betriebsaufwands.

DNS#

Sie haben Split-Brain-DNS (interne AD-Zone flexopack.at überstimmt öffentliches DNS). Für ops.flexopack.at braucht es daher denselben Handgriff wie bei der Website: zusätzlich einen internen A-/CNAME-Record auf dem Domain Controller. Bekannter, gelöster Vorgang — im Termin erwähnen, das zeigt Kontinuität.


3. Technologieentscheidungen#

EbeneEntscheidungBegründung
FrontendSvelteKit, TypeScript strict, pnpmHausstandard; serverseitiges Rendering, kleine Bundles — relevant auf Tablets im WLAN
HostCloudflare Workers (adapter-cloudflare)Günstig, global, bringt R2 und Queues mit, keine Per-Seat-Kosten
DatenbankNeon Postgres, Region EU (Frankfurt)HTTP-Treiber ⇒ kein Connection-Pooling-Problem auf Serverless; Datenresidenz EU; echtes Postgres statt SQLite, weil wir Zeitreihen, Aggregate und jsonb brauchen
SchemaDrizzle + drizzle-kit, Migrationen im GitSchema gehört in Versionskontrolle, nie in ein Anbieter-Dashboard
ObjektspeicherCloudflare R2 (via Worker-Binding)Fotos aus dem Maschinenheft, Anhänge, generierte Etiketten. Keine Zugangsdaten im Client
AuthBetter AuthMuss NFC-Badge + PIN können — das schließt Supabase Auth praktisch aus. Optional Entra-ID-SSO fürs Büro
AutorisierungPosture B — App-enforced Repository LayerEin Mandant; das reale Risiko ist Rollen-Leakage, nicht Cross-Tenant. Siehe §5
MandantenmodellSingle-Tenant, aber produktförmigMaschinen, Bereiche, Workflowschritte, Statusdefinitionen sind Daten, kein Code
RealtimePolling alle 5–10 sBei ~30 Tablets ist das nichts. Null Infrastruktur, verzeiht schlechtes WLAN. WebSockets später, wenn je nötig
OfflineRead-Cache + Write-Outbox ab Phase 1Nachträglich einzubauen ist brutal. Siehe §7
E-MailResend über einen einzigen internen PortBenachrichtigungen, Freigaben
HintergrundjobsCloudflare Queues (ABAS-Outbox), später ggf. Trigger.devErst adoptieren, wenn Arbeit tatsächlich nicht mehr in einen Request passt

Warum nicht Supabase#

Supabase bündelt Auth, Storage, Realtime und RLS attraktiv. Zwei Gründe sprechen dagegen: Supabase Auth passt schlecht zu Badge-/PIN-Anmeldung an einem geteilten Gerät, und wir wollen die Autorisierung ohnehin in einer Repository-Schicht statt in RLS-Policies (siehe §5). Damit bleibt vom Bündel zu wenig übrig.

Warum kein SQLite / D1#

Schreiblast ist zwar gering, aber wir brauchen Zeitreihen-Aggregate für Kennzahlen, timestamptz, saubere Enums und perspektivisch Auswertungen über Monate. Postgres kostet auf Neon im Leerlauf praktisch nichts und nimmt uns diese Frage dauerhaft ab.


4. Produktförmig, nicht bespoke-hardcodiert#

„Bespoke, aber produktförmig" heißt konkret: alles, was sich in fünf Jahren ändern kann, ist eine Zeile in einer Tabelle mit Admin-Oberfläche, nicht ein if im Code.

Als Daten modelliert:

Dreifacher Nutzen: Flexopack wird selbst handlungsfähig („wir haben eine fünfte Maschine" ist kein Support-Ticket), unser Wartungsaufwand sinkt, und die Lösung wäre bei einer anderen Druckerei eine Konfigurations- statt einer Programmieraufgabe. Aufpreis rund 15 % im Fundament, der sich über die Laufzeit mehrfach zurückzahlt.


5. Autorisierung: Posture B, App-enforced#

Entscheidung: Autorisierung in einer server-seitigen Repository-Schicht, nicht über Row Level Security.

Begründung: Es gibt genau einen Mandanten. Die Gefahr eines mandantenübergreifenden Lecks existiert nicht. Das reale Risiko ist Rollen-Leakage — ein Maschinenbediener, der Krankenstände sieht; ein Schichtführer, der Lohndaten sieht. Dieses Risiko adressiert man besser mit expliziten, testbaren Rollenprüfungen an einer einzigen Stelle als mit Policies, die jede Abfrage schwer durchschaubar machen.

Strukturell abgesichert, nicht durch Disziplin:


6. Rollen- und Rechtemodell (Kundenfrage 4)#

Modell: Rollentypen × Bereiche, beide administrierbar.

RolleSiehtDarf
Bedienereigene Maschine, eigene Aufträge, eigenes Maschinenheftrückmelden, Charge scannen, Heft-Eintrag, Störung melden
Schichtführergesamter eigener Bereichzusätzlich: Reihung innerhalb der Regeln, Übergabe abschließen, Einträge korrigieren
Vorstufe (Klischee / Farbe)eigene ArbeitslisteBereitschaft melden („Hakerl setzen")
Büro / AValle Aufträge, alle Bereichepriorisieren, Aufträge anlegen, Stammdaten pflegen
Leitungalles, inkl. Kennzahlenauswerten, Konfiguration
Personal / HRPersonaldatenUrlaub/Krankenstand freigeben, Zeitkorrekturen
Adminalles inkl. KonfigurationBenutzer, Rollen, Maschinen, Workflows

Bereichsdimension: Druck · Klischee · Farbe · Rollenschneider · Lager · Büro. Ein Benutzer kann mehrere Bereiche haben — der Praxisfall, an dem starre Rollenlisten scheitern.

Wichtig: Der Zugriff auf Personaldaten ist eine eigene Rolle, keine Stufe in einer Hierarchie. „Leitung" bedeutet nicht automatisch „darf Krankenstände sehen". Diese Trennung ist der Kern der DSGVO-Verteidigung und wird vom Betriebsrat als Erstes geprüft.

Anmeldung#

NutzergruppeVerfahren
ShopfloorNFC-Badge antippen + 4-stellige PIN für alles Sensible. Tab Active5 hat NFC. Vorhandene Badges der alten Zeiterfassung wenn möglich weiterverwenden
Büro / LeitungE-Mail + Passwort, optional „Anmelden mit Microsoft" (Entra ID) — die haben ohnehin M365-Konten
Terminal / Maschinen-TabletGerät ist als Station authentifiziert („Maschine 3"); persönliche Identität wird pro Handlung angehängt

Prinzip der Datensparsamkeit: Nicht jede Handlung braucht eine Person. „Maschine 3 hat 4.200 lfm gedruckt" braucht keinen Namen. „Wer hat diesen Eintrag im Maschinenheft geändert?" schon. Wo kein Name nötig ist, wird keiner gespeichert — das reduziert die § 96-ArbVG-Angriffsfläche erheblich und ist gegenüber dem Betriebsrat gut argumentierbar.


7. Offline und Tablet-Betrieb (Kundenfrage 8)#

Eine Druckhalle ist eine feindliche Funkumgebung: Stahl, Motoren, große Maschinen. WLAN-Funklöcher sind kein Sonderfall, sondern der Normalfall.

Entscheidung: Read-Cache + Write-Outbox ab Phase 1.

Rund eine Woche Mehraufwand in Phase 1, spart einen Umbau später.

Hardware:

ThemaEmpfehlung
TabletsGalaxy Tab Active5 (IP68, MIL-STD-810H, wechselbarer Akku, Glove Mode, NFC, Active Key) — vom Kunden bereits vorgesehen, gute Wahl
ScannenStart mit Kamera + Knox Capture (kostenlos, sofort). Bluetooth-Scanner (Zebra/Honeywell) nur nachrüsten, wo Volumen es rechtfertigt
NetzWLAN messen. Bei Zweifel LTE-Variante + Daten-SIM
VerwaltungKnox / MDM empfehlen: Kiosk-Modus, App-Updates, Fernsperre bei Verlust. Ein verlorenes Tablet mit Produktionsdaten ist ein DSGVO-Thema
MontageHalterung an der Maschine, Ladepunkt, Ersatzakku pro Schicht
BedienungHandschuhtauglich: Trefferflächen ≥ 56 px, keine Hover-Abhängigkeit, keine Doppel-Taps, keine Textfelder wo eine Auswahl reicht

8. Datenklassifizierung — was hier liegt und wer es sehen darf#

Die zentrale Frage, die vor dem Bauen beantwortet gehört: Was wäre das Schlimmste, das aus diesem System austritt?

KlasseDatenSensibilitätMaßnahmen
S1 — Besondere KategorieKrankenstände, Arbeitsunfähigkeitszeiten, gesundheitsbezogene Abwesenheitsgründe, UnfallmeldungenArt. 9 DSGVO. Ein Leck ist ein meldepflichtiger Vorfall mit realem BußgeldrisikoEigenes Schema, minimale Felder (kein Diagnose-Freitext, nie), Zugriff nur Rolle „Personal", zusätzlich RLS, Zugriffe protokolliert, kurze Aufbewahrung, verschlüsselt at rest
S2 — Leistungs- und VerhaltensdatenZeiterfassung, Kommen/Gehen, Rückmeldungen mit Personenbezug, Ausschuss pro Person, Maschinenheft-Einträge mit Namen§ 96/96a ArbVG — Kontrollmaßnahme, betriebsratspflichtigStandardmäßig aggregiert, personenbezogen nur für benannte Rollen, jeder personenbezogene Zugriff wird protokolliert, Zweckbindung schriftlich, Betriebsvereinbarung
S3 — GeschäftsgeheimnisKundennamen, Auftragsmengen, Artikel, Rezepturen, Farbrezepte, Termine, AusschussquotenEin Mitbewerber würde dafür zahlen. Zugleich die intern breitest sichtbare KlasseKein öffentlicher Zugang, keine anonymen Links, Exporte protokolliert, R2-Bucket privat mit kurzlebigen signierten URLs, Auftragsdaten nur im eigenen Bereich sichtbar
S4 — BetriebsdatenMaschinenzustände, Stillstände, technische EreignisseVertraulich, aber ohne PersonenbezugStandardschutz, rollenbasiert
S5 — ZugangsdatenABAS-Credentials, API-Keys, Connector-SecretsKompromittierung = Vollzugriff auf das ERPABAS-Zugangsdaten liegen ausschließlich auf dem Connector im Werk. Cloud-Secrets als Worker-Secrets, nie im Repo, nie PUBLIC_-präfixiert, Rotation dokumentiert

Das Schlimmste, konkret benannt#

  1. Ein Auszug der Krankenstände aller Mitarbeiter. Personenbezogene Gesundheitsdaten, unmittelbar meldepflichtig, verheerend für das Betriebsklima. → Deshalb minimal, getrennt, protokolliert, streng rollengebunden.
  2. Eine Auswertung „Ausschuss pro Mitarbeiter", die den Weg ins Personalgespräch findet, ohne dass das je vereinbart war. Rechtlich (§ 96 ArbVG) und menschlich der GAU, und der sicherste Weg, dass die Belegschaft das System sabotiert. → Deshalb standardmäßig aggregiert, Zweckbindung schriftlich, Betriebsrat früh einbinden.
  3. Die Auftragsliste mit Kundennamen und Mengen bei einem Mitbewerber. → Deshalb keine öffentlichen Endpunkte, protokollierte Exporte, private Objektspeicher.
  4. Ein verlorenes, unverwaltetes Tablet mit gespeicherten Offline-Daten. → Deshalb MDM, Geräteverschlüsselung, PIN, Fernlöschung, begrenzter Offline-Cache-Umfang und -Zeitraum.

Formulierung für den Termin: „Wir haben vorab klassifiziert, welche Daten in so einem System entstehen und was davon besonders schützenswert ist. Krankenstände sind Gesundheitsdaten nach Artikel 9 DSGVO, Zeit- und Leistungsdaten sind eine Kontrollmaßnahme nach § 96 Arbeitsverfassungsgesetz. Beides behandeln wir technisch getrennt vom Rest — und beides bespricht man besser vor dem Bauen als danach."

Dieser Absatz ist im Gespräch mehr wert als jede Technologiefolie.


9. Rechtsrahmen — was vorab geklärt gehört#

§ 96 / 96a ArbVG — Betriebsvereinbarung#

Zeiterfassung und ein digitales Maschinenheft, das festhält, wer in welcher Schicht welchen Vorfall verursacht hat, sind Kontrollmaßnahmen, die die Menschenwürde berühren. In Österreich bedeutet das:

Bei ~50 Mitarbeitern in der österreichischen Industrie ist ein Betriebsrat sehr wahrscheinlich. Zwei Fragen entscheiden über den Zeitplan:

  1. Gibt es einen Betriebsrat?
  2. Gibt es bereits eine Betriebsvereinbarung zur bestehenden Zeiterfassung? Falls ja: hervorragend — eine bestehende Vereinbarung zu ändern ist deutlich billiger und schneller, als eine erste zu verhandeln. Die politische Arbeit ist getan.

Der Vorlauf für eine neue Betriebsvereinbarung beträgt realistisch zwei bis sechs Monate. Das ist ein Terminrisiko, kein technisches — und ein Grund mehr, mit Maschinenheft und Service Portal zu starten und die Zeiterfassung nach hinten zu legen.

§ 26 AZG — Aufzeichnungspflicht#

Arbeitszeiten, Pausen, Überstunden und Ruhezeiten müssen lückenlos aufgezeichnet werden. Aufzeichnungen sind dem Arbeitsinspektorat auf Verlangen vorzulegen; der Betriebsrat hat Einsichtsrechte (§ 89 ArbVG); Mitarbeiter haben Anspruch auf Abschrift bzw. Einsicht.

Konsequenz für die Architektur: Wenn wir Zeiterfassung bauen, ist unsere Datenbank Teil einer gesetzlichen Aufzeichnungspflicht. Daraus folgen unverhandelbar: verlässliche Backups, Point-in-Time-Recovery auf einem bezahlten Neon-Tarif (nicht Free, dort nur 6 Stunden Historie), Exportierbarkeit und ein Nachweis der Unveränderbarkeit.

DSGVO — Betroffenenrechte#

Aufbewahrung (Vorschlag, mit Steuerberater/Anwalt zu bestätigen)#

DatenVorschlag
Zeitaufzeichnungenmind. bis Ende der Aufbewahrungsfristen des Lohnkontos, i. d. R. 7 Jahre
Krankenstandsgründeso kurz wie möglich; nur An-/Abwesenheit langfristig, Grund kurzfristig
Chargendaten / Rückverfolgbarkeitmind. Haltbarkeit + Puffer; bei Lebensmittelverpackung großzügig — mit Qualitätssicherung abstimmen
Maschinenheft3–5 Jahre
Audit-Logmindestens so lange wie die Daten, auf die es sich bezieht

10. Audit-Trail (Kundenfrage 9)#

Entscheidung: Append-only Protokoll auf allem, was zählt — ab Tag eins.

Jeder Schreibvorgang auf Produktions-, Personal- und Konfigurationsdaten erzeugt einen unveränderlichen Eintrag: wer, was, wann, vorher/nachher, von welchem Gerät. Eigene Tabelle, keine Updates, keine Deletes.

Warum sofort und nicht später:

Zusätzlich protokolliert: jeder lesende Zugriff auf S1- und personenbezogene S2-Daten. Das ist der Nachweis gegenüber Betriebsrat und Datenschutzbehörde, dass die Rollentrennung nicht nur behauptet ist.


11. Betrieb, Backup, Fehlerbehandlung (Kundenfrage 9)#

ThemaUmsetzung
BackupNeon PITR auf bezahltem Tarif (7 Tage), zusätzlich täglicher Export ins Kundennetz — siehe unten
WiederherstellungRestore-Übung mindestens einmal pro Jahr, protokolliert. Ein ungetestetes Backup ist kein Backup
MonitoringUptime-Check (der die Datenbank nicht berührt), Fehlerrate, Connector-Heartbeat, Outbox-Länge
AlarmierungE-Mail/Push an uns bei: Connector offline > 15 min, Outbox > N Einträge, Fehlerrate über Schwelle
FehlerbehandlunghandleError-Hook, strukturiertes Logging, niemals Stacktraces an Clients
ABAS-FehlerSichtbare Fehlerkonsole im Admin: was ist nicht durchgegangen, warum, mit Wiederholen-Knopf. Kein stiller Verlust
StatusseiteEinfache Statusseite, die auch bei Störung erreichbar ist

Wir sind nie die einzige Kopie#

Täglicher Export der gesetzlich oder betrieblich kritischen Daten (Zeitaufzeichnungen, Chargen, Rückmeldungen) auf ihren eigenen Fileserver oder nach ABAS.

Kostet einen Entwicklungstag und nimmt gleich drei Ängste: „Was, wenn die Cloud weg ist?", „Was, wenn der Entwickler weg ist?", „Halten die unsere Daten in Geiselhaft?". Im Termin aussprechen — es entschärft den größten unausgesprochenen Zweifel gegenüber einem Einzelentwickler.


12. Kritikalitätsstufen und Notfallbetrieb#

Nicht jedes Modul verdient dieselbe Verfügbarkeitszusage. Einordnung nach der Frage: Was bricht, wenn wir vier Stunden ausfallen?

StufeModuleAuswirkung
VitalProduktionsplanung/Leitstand, Chargenscan, ABAS-RückmeldungMaschinen wissen nicht, was als Nächstes kommt; Lücke in der Rückverfolgbarkeit; falsche Abrechnung
WichtigZeiterfassung, Rollenschneider, Klischee-/FarblistenGesetzliche Aufzeichnung fehlt; es wird improvisiert
KomfortMaschinenheft, Farblager, Service Portal, Urlaub/KrankenstandFällt bis morgen niemandem auf

Jedes vitale Modul wird mit einem dokumentierten Notfallbetrieb ausgeliefert: druckbare Tagesproduktionsliste, Papierformular für Chargen, eine Seite „So arbeiten Sie weiter, wenn das System steht", vom Kunden formal abgenommen.

Das ist in der Fertigung völlig normale Praxis, verschafft Respekt — und ist der Haftungsschutz, der tatsächlich wirkt. Verfügbarkeitsversprechen schützen nicht; ein eingeübter Rückfallweg schon.


13. Modularität ohne Insellösungen (Kundenfragen 6 und 11)#

Ihre Sorge ist berechtigt und verdient eine strukturelle Antwort statt einer Beteuerung:

MechanismusWirkung
Eine Benutzer- und Rollenverwaltung für alle ModuleKein Modul bringt eigene Anmeldung mit
Eine Datenbank, ein Schema, referenzierte StammdatenMaschinen, Mitarbeiter, Aufträge existieren genau einmal
Module als Feature-Flags, nicht als eigene AnwendungenEin- und ausschaltbar, ohne Deployment-Vielfalt
Eine einzige ABAS-Schnittstelle (der Connector)Kein Modul spricht selbst mit dem ERP
Ereignis-Log als gemeinsame SpracheRückmeldungen, Statuswechsel, Scans sind Ereignisse, aus denen Dashboards entstehen — Kennzahlen werden nie separat gepflegt (ausdrücklicher Wunsch auf Seite 4 des Handouts)
Ein Design-System, ein UI-VokabularWer ein Modul bedienen kann, kann alle

Der Satz für den Termin: „Insellösungen entstehen nicht durch Module, sondern durch mehrfache Benutzerverwaltung, mehrfache Stammdaten und mehrfache Schnittstellen. Genau diese drei gibt es bei uns jeweils nur einmal."


14. Zukaufen statt selbst bauen (Kundenfrage 10)#

ZukaufenWarum
Personalzeiterfassung (Regelwerk)Kollektivvertrag, Zuschläge, Lohnarten — gelöster Markt, hohes Haftungsrisiko. Siehe 05-zeiterfassung.md
MDM / KnoxGeräteverwaltung ist Standardsoftware
Etikettendruck-HardwareZebra & Co., kein Eigenbau
ABAS-seitige AnpassungenIhr ABAS-Partner kennt die Installation; direkt an Flexopack abgerechnet
Auth-Bibliothek, UI-Bibliothek, Hosting, DatenbankSelbstverständlich zugekauft
Selbst bauenGenau das, was es fertig nicht gibt: die Vorstufen-Bereitschaftskette, die Produktionstafel, das Maschinenheft, den Chargenfluss, das Farblager — also den Wertkern

15. Offene technische Punkte für den Termin#

04 · Die zehn Bausteine im Detail

Jeder Baustein aus dem Handout: was gemeint ist, was fachlich dahintersteckt, was wir bauen würden, was daran schwierig ist, welche Fragen offen sind. Am Ende: Kritikalitätseinstufung und Pilotempfehlung.


Baustein 1 · Mitarbeiterportal / Service Portal#

Im Handout: Bereichsabhängiger Einstiegspunkt. Bestehendes Service Portal via Microsoft Forms integrieren/weiterentwickeln: Rohware sperren, Sicherheits- und Technikmängel, Verbesserungen. Zusätzlich Urlaub und Krankenstand.

Was das fachlich ist: Ein internes Meldewesen. Jemand stellt fest, dass eine Rohwarenpalette nicht in Ordnung ist, ein Geländer wackelt oder eine Maschine anders laufen könnte — und meldet es. Heute über Microsoft Forms.

Warum Forms nicht reicht: Forms erzeugt Zeilen in einer Tabelle. Es hat keinen Status, keine Zuständigkeit, keine Wiedervorlage, keine Historie, keine Rechteverwaltung und keine Verbindung zu Maschine, Auftrag oder Material. Wer etwas meldet, erfährt nie, was daraus wurde — was Meldungen zuverlässig versiegen lässt.

Was wir bauen:

Schwierigkeiten: gering. Das eigentliche Risiko ist Feature-Wucherung — jeder Bereich will ein eigenes Formular.

Offene Fragen:

Einschätzung: Idealer Pilotbaustein. Klein, sichtbar, null Produktionsrisiko, betrifft alle Bereiche und beweist Rollen, Benachrichtigungen, Fotoupload und Admin-Layer.


Baustein 2 · Zeiterfassung#

Im Handout: Ablösung des alten Systems. Kommen/Gehen, Pausen, Schichten, Überstunden, Abwesenheiten, Korrekturen und Freigaben. Hardwareoptionen: Tablet, Terminal, NFC/RFID.

Eigene, ausführliche Analyse: 05-zeiterfassung.md. Kurzfassung:

Zeiterfassung ist drei Systeme mit einem Namen — Erfassung (einfach), Regelwerk (der Killer: Kollektivvertrag, Zuschläge, Durchrechnung) und Lohnübergabe (abhängig von ihrer Lohnsoftware). Dazu § 96 ArbVG (Betriebsvereinbarung) und § 26 AZG (Aufzeichnungspflicht).

Empfehlung: nicht im Erstgespräch entscheiden. Erst herausfinden, was das Altsystem ist und woran es scheitert. Danach zwischen vier Optionen wählen (kaufen / Erfassung bauen + Regelwerk kaufen / alles bauen / Altsystem behalten und nur Selfservice ergänzen).

Einschätzung: höchstes Aufwands- und Haftungsrisiko im gesamten Programm. Gehört ans Ende der Roadmap, nicht an den Anfang.


Baustein 3 · Tablet in der Produktion#

Im Handout: Galaxy Tab Active5 als zentrale Bedienoberfläche: Aufträge, Rückmeldungen, Mengen, Ausschuss, Chargen, Maschineninformationen, Störungen und Schichtübergaben.

Was das fachlich ist: Kein Modul, sondern die Oberfläche, durch die fast alle anderen Module bedient werden. Im Handout als Punkt 3 gelistet, in Wahrheit Teil des Fundaments.

Was wir bauen:

Schwierigkeiten: Die eigentliche Hürde ist nicht technisch, sondern ergonomisch. Ein Tablet-UI, das am Schreibtisch großartig wirkt, kann an der Maschine unbenutzbar sein. Deshalb: Prototyp früh auf einem echten Gerät an der echten Maschine testen, mit einem echten Bediener.

Offene Fragen:

Einschätzung: Fundament, gehört in Phase 1. Nicht separat verkaufbar.


Baustein 4 · ABAS-Rückmeldung#

Im Handout: Auftragsdaten lesen und Produktionsrückmeldungen zurückschreiben. Zu prüfen: verfügbare Schnittstellen, Datenobjekte, Authentifizierung und Fehlerhandling.

Ausführlich: 02-abas-studie.md. Kurzfassung:

Empfehlung zur Arbeitsteilung: Die ABAS-seitige Arbeit macht ihr ABAS-Partner, direkt an Flexopack abgerechnet, gegen eine von uns geschriebene Schnittstellenspezifikation. Wir bauen den Connector und die Verarbeitung auf unserer Seite. Das ist nicht nur risikoärmer für uns, es ist auch technisch die bessere Arbeitsteilung — der Partner kennt diese Installation.

Einschätzung: Höchstes Unbekanntheitsrisiko. Erst nach einem Machbarkeits-Spike belastbar kalkulierbar. Vital-Stufe, sobald Rechnungen davon abhängen.


Baustein 5 · Chargennummern per Scan#

Im Handout: Heute abschreiben → Zettel/Lieferschein → erneute Eingabe im Büro. Soll: Barcode/QR scannen → Auftrag zuordnen → speichern → idealerweise direkt an ABAS. Tablet, Handheld oder Bluetooth-Scanner prüfen.

Was das fachlich ist: Rückverfolgbarkeit. Bei Lebensmittelverpackung keine Bequemlichkeit, sondern regulatorische Pflicht (Rahmenverordnung 1935/2004, GMP-Verordnung 2023/2006, dazu ISO 22000, BRC-Standards). Es muss beantwortbar sein: welche Rohfolien-Charge steckt in welcher gelieferten Rolle bei welchem Kunden.

Der Schmerz ist echt und dreifach: abschreiben (Fehlerquelle 1), Zettel (Verlustquelle), erneut eintippen (Fehlerquelle 2). Jeder Tippfehler in einer Chargennummer macht die Rückverfolgbarkeit im Ernstfall wertlos.

Was wir bauen:

Schwierigkeiten:

Offene Fragen:

Einschätzung: Hoher, sofort spürbarer Nutzen; guter zweiter Baustein. Vital-Stufe wegen der Rückverfolgbarkeit — aber mit sauberem Papier-Rückfall abbildbar.


Baustein 6 · Farblager — „Kammer des Schreckens"#

Im Handout: Farbkanne und Regalplatz digital verheiraten. Regalplatz scannen + Kanne scannen + Gewicht erfassen. Bei Rückgabe von der Maschine Restgewicht und neuen Lagerplatz dokumentieren. Ergebnis: Standort, Bestand und Historie nachvollziehbar.

Was das fachlich ist: Ein Lagerverwaltungsproblem mit einer Besonderheit — der Bestand ist kontinuierlich, nicht diskret. Man hat nicht „3 Kannen Pantone 485", sondern „eine angebrochene Kanne mit 12,4 kg Rest". Der Kunde hat die Lösung im Grunde selbst beschrieben, und sie ist richtig.

Was wir bauen:

Schwierigkeiten:

Offene Fragen:

Einschätzung: Klar abgrenzbar, schnell nutzbar, geringes Risiko. „Kammer des Schreckens" verrät hohen Leidensdruck — gutes Kandidatenmodul für frühen sichtbaren Erfolg. Komfort-Stufe.


Baustein 7 · Durchgängige Produktionsplanung#

Im Handout: Zentrales Hauptprojekt. Büro priorisiert Aufträge; Vorstufen melden Bereitschaft; Maschine sieht vorbereitete Aufträge und kann innerhalb definierter Regeln reihen. Einfaches Statussystem mit grünen Hakerln.

Was das fachlich ist: Der Leitstand. Und mit dem Ampelstreifen von Seite 3 — Klischees vorhanden → Klischees fertig → Farben fertig → Material verfügbar → Produktionsbereit — der Wertkern des gesamten Programms.

Das eigentliche Problem, das gelöst wird: Heute weiß die Maschine nicht zuverlässig, ob ein Auftrag wirklich startbereit ist. Ist das Klischee geklebt? Ist die Farbe angemischt? Ist die Folie da? Das klärt man heute durch Hingehen, Nachfragen und Zurufen. Das Ergebnis sind Rüstvorgänge, die abgebrochen werden, und Maschinen, die stehen, obwohl Arbeit da wäre.

Was wir bauen:

Schwierigkeiten — hier liegt die eigentliche Projektschwierigkeit:

  1. Ist Klischee/Farbe ein Arbeitsgang in ABAS oder nicht? Falls ja, sind wir eine Sicht auf ihre Daten und müssen mit ABAS synchron bleiben. Falls nein, sind wir das führende System für diese Schritte — einfacher zu bauen, aber es entsteht eine zweite Wahrheit neben ABAS, die bewusst gestaltet werden muss.
  2. Wer darf umreihen und wie weit? Eine soziale und organisatorische Frage, keine technische. Wird die Antwort nicht sauber ausverhandelt, wird das System entweder ignoriert oder es entsteht Streit.
  3. Datenqualität der Termine in ABAS. Wenn die Plantermine dort nicht gepflegt sind, kann die schönste Tafel nichts anzeigen.
  4. Vollständigkeit ist Pflicht. Eine Planungstafel, die nur 80 % der Aufträge kennt, wird nicht benutzt — man schaut dann sicherheitshalber doch auf den Ausdruck.

Offene Fragen:

Einschätzung: Höchster Wert, höchste Komplexität, vital. Nicht als Pilot — aber ein klickbarer Prototyp der Tafel ist das beste Verkaufsargument, das existiert.


Baustein 8 · Klischeekleberei & Farbvorbereitung#

Im Handout: Eigene Arbeitslisten mit Priorität und Termin. Rückmeldung „Klischee fertig" bzw. „Farben fertig" wird unmittelbar in der Produktionsplanung sichtbar.

Was das fachlich ist: Die Zulieferseite von Baustein 7. Diese beiden Bereiche erzeugen zwei der vier grünen Hakerl. Sie brauchen ihre eigene Sicht: nicht die Maschinenreihenfolge, sondern ihre Arbeitsliste, sortiert nach dem, wann die Maschine es braucht.

Was wir bauen:

Schwierigkeiten: gering, sofern Baustein 7 steht. Ohne ihn sinnlos.

Offene Fragen:

Einschätzung: Kleiner Baustein mit großer Hebelwirkung. Gehört unmittelbar zu Phase 3.


Baustein 9 · Rollenschneider#

Im Handout: Dynamische Übersicht aus Druckliste + Tagesrückmeldungen: Was ist im Druck? Was wird fertig? Was steht bereits zum Schneiden bereit? Rückmeldung ebenfalls direkt am Tablet.

Was das fachlich ist: Die nachgelagerte Weiterverarbeitung. Der Rollenschneider braucht keine Planung im eigentlichen Sinn, sondern Vorschau: Was kommt in den nächsten Stunden von den Druckmaschinen, und was liegt schon bereit?

Was wir bauen:

Schwierigkeiten: Die Fertigstellungsprognose ist nur so gut wie die Rückmeldungen von den Druckmaschinen. Ohne Baustein 4/7 ist das Raten. Mit ihnen ist es fast geschenkt.

Offene Fragen:

Einschätzung: Weitgehend eine abgeleitete Sicht — geringer Zusatzaufwand, wenn 7 steht. Phase 3.


Baustein 10 · Digitales Maschinenheft#

Im Handout: Das zentrale analoge Maschinenheft auf den Tablets abbilden. Schicht, Mitarbeiter, Vorkommnisse, Technik-/Qualitätsthemen und Übergabeinfos. Leitung kann Einträge in Echtzeit einsehen.

Was das fachlich ist: Das Betriebstagebuch der Maschine. Heute ein physisches Buch, das an der Maschine liegt. Enthält: wer hatte Schicht, was ist passiert, was muss die nächste Schicht wissen, welcher Techniker war da, welches Qualitätsproblem trat auf.

Warum das der ideale Pilot ist:

Was wir bauen:

Schwierigkeiten:

Offene Fragen:

Einschätzung: Der beste Pilotbaustein des gesamten Programms. Komfort-Stufe, hohe Sichtbarkeit, null Risiko.


Kritikalität, Aufwand, Reihenfolge#

#BausteinKritikalitätAufwandABAS nötigEmpfohlene Phase
3Tablet-OberflächeFundamentmittelnein1
10Digitales MaschinenheftKomfortklein–mittelnein1 (Pilot)
1Service PortalKomfortkleinnein1 (Pilot)
5ChargenscanVitalmittelspäter2
6FarblagerKomfortmittelnein2
7ProduktionsplanungVitalgroßlesend3
8Klischee & FarbeWichtigkleinnein3
9RollenschneiderWichtigkleinindirekt3
4ABAS-RückmeldungVitalunbekanntja4
2ZeiterfassungWichtiggroßnein5
Dashboards & KPIsKomfortmittelnein6

Pilotempfehlung (ihre Frage 7)#

Der eigentliche Pilot: Maschinenheft + Service Portal.

Begründung, die im Termin gut funktioniert:

„Ich würde mit den beiden Bausteinen anfangen, bei denen es ungefährlich ist, wenn wir uns irren. Beide brauchen kein ABAS, beide ersetzen etwas, das es schon gibt, und beide zusammen beweisen das komplette Fundament: Anmeldung mit Badge, Rollen und Bereiche, Tablet-Bedienung mit Handschuhen, Offline-Fähigkeit, Fotos, Suche, Auswertung und die Administrationsoberfläche. Wenn das nach acht Wochen an der Maschine funktioniert und benutzt wird, wissen Sie und ich, dass der Rest tragfähig ist. Und wenn nicht, haben Sie wenig verloren und viel gelernt."

Direkt danach: Chargenscan. Braucht die Hardwareentscheidung und profitiert von einer ABAS-Antwort — also besser an zweiter Stelle.

Die Produktionstafel ist die Überschrift von Phase 3, nicht der Pilot. Stattdessen früh einen klickbaren Prototyp zeigen: verkauft die Vision, ohne uns auf das schwierigste Modul zuerst festzulegen.

Das beantwortet ihre Frage 7 besser, als sie gestellt wurde — die richtige Auswahl sind nicht die wichtigsten zwei Module, sondern die zwei, bei denen ein Fehler folgenlos bleibt.

05 · Zeiterfassung — Studie und Optionen

Warum dieser Baustein komplizierter ist, als er aussieht; welche Optionen es gibt; was das jeweils kostet und riskiert; und welche Fragen im Termin gestellt werden müssen.


1. Warum das nicht „nur Kommen und Gehen" ist#

Zeiterfassung wirkt wie das einfachste Modul im Handout: zwei Knöpfe, ein Zeitstempel, eine Tabelle. Diese Einschätzung ist der Grund, warum Zeiterfassungsprojekte regelmäßig entgleisen.

Es sind in Wahrheit drei Systeme mit einem gemeinsamen Namen:

System 1 · Erfassung — wirklich einfach#

Badge oder PIN an einem Terminal, Tablet oder Smartphone. Zeitstempel, Person, Ereignistyp. Ein Wochenende Arbeit.

Und genau hier scheitern die meisten Altsysteme: ein Terminal aus 2009, das nur an einer Tür hängt; keine Selbstauskunft für Mitarbeiter; kein mobiles Stempeln; das Büro tippt Korrekturen von Hand nach; der Hersteller supportet nicht mehr. Der wahrgenommene Schmerz sitzt fast immer in diesem System — der Aufwand fast nie.

System 2 · Das Regelwerk — der Killer#

Aus rohen Zeitstempeln müssen bewertete Arbeitszeiten werden. Was dabei alles hineinspielt:

Jede einzelne Regel ist trivial. Die Kombination ist eine Matrix, und jeder Fehler darin ist die falsche Bezahlung eines echten Menschen — mit Nachzahlungspflicht, Betriebsratsthema und Vertrauensschaden.

System 3 · Lohnübergabe#

Export in ihre Lohnsoftware (BMD, Sage DPW, RZL oder das System des Steuerberaters), abgebildet auf deren Lohnarten. Formatfrage, technisch überschaubar, aber nur lösbar, wenn man weiß, wohin es geht — und die Lohnverrechnung mitspielt.


2. Der Rechtsrahmen#

§ 26 AZG — Aufzeichnungspflicht#

Arbeitszeiten, Pausen, Überstunden und Ruhezeiten müssen lückenlos dokumentiert werden. Das Arbeitsinspektorat kann Einsicht verlangen (§ 3 ArbIG), der Betriebsrat hat Einsichtsrechte (§ 89 ArbVG), Mitarbeiter haben Anspruch auf Abschrift oder Einsicht.

Konsequenz: Wer das System baut, baut ein Stück gesetzlicher Aufzeichnung. Backups, Wiederherstellbarkeit, Unveränderbarkeit und Exportierbarkeit sind keine Kür.

§ 96 / 96a ArbVG — Betriebsvereinbarung#

Zeiterfassung ist eine Kontrollmaßnahme, die die Menschenwürde berührt:

Vorlauf für eine neue Betriebsvereinbarung: realistisch zwei bis sechs Monate. Das ist ein Terminrisiko, das nichts mit Software zu tun hat.

DSGVO#

Zeitdaten sind personenbezogen; Krankenstände sind Gesundheitsdaten nach Art. 9 und damit besondere Kategorie. Getrennte Speicherung, minimale Felder (niemals ein Diagnose-Freitextfeld), strenge Rollenbindung, protokollierte Zugriffe, definierte Löschfristen.


3. Die vier Optionen#

Option A · Fertiges PZE-Produkt kaufen#

Ein österreichisches oder deutsches Produkt lizenzieren: TimeTac, Personalwolke, ISGUS, oder alltrotec, das eine ABAS-integrierte Personalzeiterfassung anbietet. Wir binden es an (SSO, Daten im Portal sichtbar).

Kostenca. € 3–6 pro Mitarbeiter/Monat → € 150–300/Monat bei 50 Personen, plus Terminals
Unser AnteilIntegration und Portal-Anbindung: € 5.000–12.000
VorteileKV-Regelwerk gepflegt und Herstellerverantwortung, Lohnexporte existieren fertig, gesetzliche Änderungen kommen per Update, Betriebsvereinbarungs-Vorlagen oft vorhanden
NachteileZusätzlicher Hersteller, laufende Kosten, weniger Integrationstiefe, geringe Marge für uns
Risikoniedrig

Option B · Erfassung selbst bauen, Regelwerk kaufen — Empfehlung#

Wir bauen das, was heute weh tut: Terminal, NFC/PIN-Stempeln am Tablet, Selbstauskunft, Urlaubs- und Krankenstandsanträge, Freigabe-Workflows, Korrekturen, Monatsabschluss. Exportiert werden rohe, bewertbare Zeitdaten an ihre Lohnsoftware — die das KV-Regelwerk ohnehin besitzt und dafür bereits verantwortlich ist.

Unser Anteil€ 25.000–40.000 je nach Tiefe der Workflows
VorteileWir liefern die sichtbaren 80 %, das juristische Minenfeld bleibt bei der Partei, die dafür haftet und versichert ist. Volle Integration ins Portal, ein Login, ein Rollenmodell
NachteileSetzt voraus, dass die Lohnverrechnung rohe Zeitdaten annimmt statt fertig bewerteter
Risikomittel, gut beherrschbar

Kernfrage für diese Option: Kann Ihre Lohnverrechnung mit Rohzeiten arbeiten, oder erwartet sie bereits bewertete Stunden je Lohnart? Diese eine Frage entscheidet über Option B.

Option C · Alles selbst bauen, inklusive Regelwerk#

Unser Anteil€ 45.000–70.000, plus dauerhafte Pflege bei jeder KV-Änderung
Sinnvoll nur wenndas Modell wirklich einfach ist (feste Schichten, keine Gleitzeit) und eine schriftliche Spezifikation der Lohnverrechnung vorliegt
Vertraglich zwingend„Die Berechnungslogik wird nach schriftlicher Spezifikation der Lohnverrechnung umgesetzt. Prüfung und Freigabe der Berechnungsergebnisse obliegen der Lohnverrechnung."
Risikohoch — und es bleibt hoch, dauerhaft

Niemals „bauen Sie es so wie das alte System" als Spezifikation akzeptieren. Niemand im Haus weiß vollständig, was das alte System rechnet.

Option D · Altsystem behalten, nur die schmerzhaften Teile ersetzen#

Selbstauskunft, Urlaubs- und Krankenstandsanträge und Freigaben laufen im neuen Portal; die Daten werden ins bestehende System übergeben. Die Stempelung bleibt, wie sie ist.

Unser Anteil€ 8.000–15.000
VorteileBilligste Lösung, kein Betriebsvereinbarungs-Neuland (bestehende Vereinbarung deckt weiter), sehr schnell wirksam
NachteileLöst den Kundenwunsch „Ablösung des alten Systems" nicht
Risikoniedrig

Nicht unterschätzen: Wenn sich im Gespräch herausstellt, dass der eigentliche Schmerz „Urlaubsanträge auf Zetteln" ist und nicht die Stempeluhr, ist Option D die ehrlichste Antwort — und sie kauft enormes Vertrauen.


4. Entscheidungsbaum#

Gibt es einen Betriebsrat?
├── ja → Gibt es eine bestehende Betriebsvereinbarung zur Zeiterfassung?
│        ├── ja  → gute Ausgangslage, Änderung statt Neuverhandlung
│        └── nein → 2–6 Monate Vorlauf einplanen, Zeiterfassung ans Ende der Roadmap
└── nein → individuelle Zustimmung nötig, arbeitsrechtlich prüfen lassen

Was erwartet die Lohnverrechnung?
├── Rohzeiten     → Option B  (Empfehlung)
├── bewertete Zeiten je Lohnart
│   ├── Modell einfach (feste Schichten, keine Gleitzeit) → Option C erwägen
│   └── Modell komplex (Gleitzeit, Zuschläge, Durchrechnung) → Option A
└── unklar / Steuerberater entscheidet → Option A oder D

Was ist der tatsächliche Schmerz?
├── Stempelhardware kaputt/abgekündigt      → A oder B
├── kein Selfservice, Zettelwirtschaft      → D oder B
├── keine mobile Erfassung                  → B
└── falsche Berechnungen im Altsystem       → A  (niemals selbst nachbauen)

5. Fragen für den Termin#

  1. Was ist das Altsystem — Hersteller, Version, wo läuft es, gibt es noch Support?
  2. Was genau funktioniert nicht? (Hardware defekt · kein Selfservice · nicht mobil · kann keine Schichten · Hersteller weg · Büro tippt alles nach)
  3. Wer macht die Lohnverrechnung — intern oder Steuerberater — und mit welcher Software?
  4. Was übergibt das Altsystem heute an die Lohnverrechnung, in welchem Format? Rohzeiten oder bewertete Stunden?
  5. Gleitzeit oder feste Schichten? Wie viele Schichtmodelle? Gibt es Zeitausgleichskonten?
  6. Welcher Kollektivvertrag gilt für Arbeiter, welcher für Angestellte?
  7. Gibt es einen Betriebsrat?
  8. Gibt es eine bestehende Betriebsvereinbarung zur Zeiterfassung? (die entscheidende Zeitplanfrage)
  9. Wie laufen Urlaubsanträge heute? Papier, Forms, Excel? Wer genehmigt?
  10. Wie wird Krankenstand heute gemeldet und dokumentiert?
  11. Wie viele Zutritte brauchen ein Terminal? Gibt es bereits Badges — welcher Typ (Mifare, Legic, EM4102)?
  12. Brauchen Außendienst, Fahrer oder Monteure mobile Erfassung?
  13. Wie viele Korrekturen pro Monat fallen an, und wer macht sie?
  14. Gibt es Zutrittskontrolle, die mit den Badges zusammenhängt?

Frage 8 entscheidet, ob dieses Modul drei oder neun Monate braucht. Frage 4 entscheidet zwischen Option B und A.


6. Empfehlung#

Im Termin nichts entscheiden. Die vierzehn Fragen stellen, zuhören, und danach mit einer belastbaren Empfehlung zurückkommen.

Vorläufige Präferenz, sofern nichts Überraschendes auftaucht:

  1. Option B, wenn die Lohnverrechnung Rohzeiten annimmt und ein Betriebsrat konstruktiv mitgeht.
  2. Option A, wenn bewertete Zeiten erwartet werden oder das Zeitmodell komplex ist.
  3. Option D als schneller Zwischenschritt, unabhängig davon — Urlaubs- und Krankenstandsanträge im Portal sind billig und werden von allen 50 Mitarbeitern sofort bemerkt.
  4. Option C nur bei nachweislich einfachem Modell und schriftlicher Spezifikation.

In jedem Fall gilt: Zeiterfassung ist der letzte Baustein der Roadmap, nicht der erste. Das Betriebsvereinbarungs-Risiko allein rechtfertigt das — und es ist gegenüber dem Kunden gut begründbar, weil es sein Risiko genauso senkt wie unseres.


Quellen#

06 · Kommerzielles — Phasen, Preise, Vertrag, Positionierung

Was das Programm kostet, in welchen Stufen, was laufend anfällt, wie der Vertrag aussehen sollte und wie man den Einwand „warum ein Einzelentwickler?" beantwortet. Beantwortet Kundenfrage 12.


1. Ausgangsüberlegung#

Diese Beauftragung ist eine andere Klasse als bisherige SB-Media-Projekte. Der Unterschied ist nicht die Technik — Auth, Rollen, Dashboards, Postgres-Schema sind bekanntes Terrain. Der Unterschied sind drei andere Dinge:

  1. Eine unbekannte Fachdomäne (Flexodruck-Produktionsfluss, ERP-Semantik). Lösbar, kostet aber echte Kalenderzeit — und diese Zeit muss bezahlt sein, nicht als Vorleistung erbracht werden.
  2. Betriebliche Konsequenz. Fällt ein SaaS aus, lädt jemand neu. Fällt der Leitstand aus, stehen im schlimmsten Fall vier Druckmaschinen. Die Antwort darauf ist nicht ein niedrigerer Preis, sondern der dokumentierte Notfallbetrieb.
  3. Laufzeit. Der volle Ausbau ist ein Bogen über 24–30 Monate. Das ist eine Beziehung, kein Projekt.

Die Absicherung gegen alle drei ist dieselbe: phasenweise Beauftragung, jede Phase eigenständig nutzbar und eigenständig abbrechbar. Niemals das Gesamtprogramm auf einmal unterschreiben.


2. Preisannahmen#


3. Stufenplan und Investitionsrahmen#

StufeInhaltAufwandInvestitionTräger
0 · Analyse & ArchitekturProzessaufnahme, Datenmodell, Rollenmodell, ABAS-Machbarkeit gemeinsam mit ihrem Partner, Pilot-Spezifikation, klickbarer Prototyp der Produktionstafel, Kostenmodell für alle Folgestufen3–4 Wochen€ 10.000–14.000SB Media
1 · Fundament + PilotAuth (NFC/PIN + SSO), Rollen & Bereiche, Admin-Layer, Tablet-PWA mit Offline, Design-System, Deployment & Monitoring — plus Maschinenheft und Service Portal8–11 Wochen€ 30.000–45.000SB Media
2 · Chargen & FarblagerScannen, Etikettenerzeugung, Gewichte, Lagerplätze, Historie, Rückverfolgbarkeitsauskunft, Export4–6 Wochen€ 15.000–25.000SB Media
3 · ProduktionssteuerungPlanungstafel, Bereitschafts-Hakerl, Klischee-/Farblisten, Reihungsregeln, Rollenschneider, Rückmeldeerfassung10–14 Wochen€ 40.000–65.000SB Media
4 · ABAS-AnbindungConnector, Lesesynchronisation, Rückschreib-Warteschlange, Fehlerkonsole4–8 Wochen€ 8.000–15.000 (unsere Seite)geteilt: ABAS-Partner liefert die ERP-Seite
5 · Zeiterfassungje nach Option A–D2–10 Wochen€ 5.000–40.000 (unsere Seite)je nach Option zugekauft
6 · Dashboards & KennzahlenOperative Sicht, Leitungssicht, Benachrichtigungen, Automatisierungen3–5 Wochen€ 12.000–20.000SB Media

Gesamtrahmen#

SzenarioUmfangInvestition
Empfohlener Zuschnitt (0–3 + 6, ABAS und Zeiterfassung teilweise zugekauft)SB Media baut Plattform und Shopfloor€ 120.000–195.000 über 24–30 Monate
Erste zwölf Monate (Stufen 0–2)Fundament, Pilot, Chargen, Farblager€ 55.000–85.000
Voller Eigenbau (alles inkl. ABAS-Rückschreiben und eigenem Zeitregelwerk)maximaler Umfang€ 145.000–250.000

Der Vergleich, der die Zahl trägt#

Ein Standard-MES für einen 50-Personen-Betrieb kostet € 80.000–200.000 an Lizenz und Einführung, zuzüglich 18–22 % Wartung pro Jahr — dauerhaft. Und es bildet die Vorstufenkette von Flexopack trotzdem nicht ab, weil kein Produkt das tut.

Unser Weg hat keine Lizenzgebühren, passt auf den tatsächlichen Prozess und gehört am Ende ihnen.

Dieser Absatz gehört ins Angebot und, falls das Thema aufkommt, ins Gespräch.


4. Laufende Kosten (Kundenfrage 12)#

PositionKosten
Hosting (Cloudflare Workers + Neon EU + Mailversand + Monitoring)€ 50–100 / Monat
Tablets Galaxy Tab Active5, 6–10 Stück€ 3.000–6.000 einmalig
LTE-SIMs (falls WLAN unzureichend oder isoliert)€ 5–10 pro Gerät / Monat
Knox / MDM (empfohlen)€ 2–4 pro Gerät / Monat
Bluetooth-Scanner (optional; Tablet-Kamera kostet nichts)€ 200–400 pro Stück
Etikettendrucker + Etiketten (Farblager, Chargen)€ 400–700 einmalig
NFC-Badges (falls nicht wiederverwendbar)€ 1–3 pro Stück
ABAS-REST-Lizenzunbekannt — der zentrale offene Punkt
ABAS-Partnerstunden für die Integration€ 140–180/h, Budget 20–60 h
PZE-Produkt, falls gekauft statt gebaut€ 150–300 / Monat
Wartung & Support SB Mediasiehe unten

Die Zahl € 50–100 pro Monat für die gesamte Infrastruktur früh und deutlich nennen. Mittelständische Käufer erwarten, dass Cloud teuer ist; ein zweistelliger Monatsbetrag für den Betrieb kauft viel Wohlwollen für die sechsstellige Bausumme.


5. Wartung und Support#

Sobald Produktion davon abhängt, besteht dauerhafte Verantwortung. Die gehört bezahlt.

AusbaustandWartungspauschale
nach Stufe 1–2€ 400–600 / Monat
nach Stufe 3 (Leitstand produktiv)€ 800–1.200 / Monat

Enthalten: Monitoring und Alarmierung, verifizierte Backups, Sicherheits- und Abhängigkeitsupdates, Fehlerbehebung, ein definiertes Stundenkontingent für kleine Anpassungen, Reaktionszeiten innerhalb Mo–Fr 08:00–16:00.

Nicht enthalten: Einsätze außerhalb dieser Zeiten (separat verrechnet oder ausdrücklich ausgeschlossen — der Notfallbetrieb ist die Antwort), neue Module, Schulungen.

Das ist nicht nur Umsatz: Es verwandelt „ich hafte auf unbestimmte Zeit" in „ich werde dafür bezahlt, verantwortlich zu sein".


6. Die drei kommerziellen Züge#

6.1 ABAS-Arbeit an ihren Partner abgeben#

Die ERP-seitige Arbeit macht ihr ABAS-Partner, direkt an Flexopack verrechnet, gegen eine von uns geschriebene Schnittstellenspezifikation (welche Daten, welches Format, welcher Endpunkt, welche Fehlerbehandlung).

Damit wird unsere größte Unbekannte zu einer Position auf einer fremden Rechnung — und es ist zugleich die technisch bessere Arbeitsteilung.

6.2 Analyse zuerst verkaufen, ausdrücklich ohne Lock-in#

Stufe 0 liefert eine Spezifikation, die jeder kompetente Entwickler umsetzen könnte. Das ist leichter zu kaufen, es ist ehrlich, und es sorgt dafür, dass die Lernkurve bezahlt wird. Selbst wenn damit ein Vergleichsangebot eingeholt wird, gewinnt man auf Preis und Verständnis.

6.3 „Was es fertig gibt, kaufen Sie"#

„Ich baue das, was es fertig nicht zu kaufen gibt. Was es fertig zu kaufen gibt, kaufen Sie — und ich binde es an."

Dieser Satz erhöht die Glaubwürdigkeit und senkt das eigene Risiko. Er ist auch schlicht richtig.


7. Der Einwand „warum ein Einzelentwickler?"#

Mit einem technologiegetriebenen Eigentümer im Hintergrund wird dieser Einwand gedacht, ob er ausgesprochen wird oder nicht. Er muss beantwortet sein, bevor er gestellt wird.

SorgeAntwort
„Was, wenn Sie ausfallen?"Code liegt von Tag eins im GitHub-Repository von Flexopack, nicht bei uns. Vollständige IP-Übertragung. Dokumentation ist Liefergegenstand jeder Phase
„Wer kann das übernehmen?"Absoluter Mainstream-Stack: TypeScript, SvelteKit, PostgreSQL. Keine proprietären Bausteine, keine exotischen Abhängigkeiten. Jede Agentur in Linz kann das weiterführen
„Was, wenn wir die Zusammenarbeit beenden?"Daten sind jederzeit exportierbar, es gibt einen täglichen Export ins eigene Netz. Kein Datengefängnis
„Und der Betrieb?"Cloudflare und Neon sind der betriebene Teil, nicht wir. Es gibt keine Maschine, die nur wir starten können
„Wer haftet?"Vertraglich geregelte Haftung, Berufshaftpflicht, dokumentierter Notfallbetrieb je vitalem Modul
„Kapazität?"Phasenmodell mit klaren Zeitfenstern; jede Phase hat einen definierten Umfang und Abnahmekriterien. Optional benannter Partnerbetrieb als Rückfallebene im Vertrag

Zusätzlich stark: Wir haben bereits geliefert. Die Website steht, das Split-Brain-DNS-Problem wurde erkannt, dokumentiert und gelöst — inklusive einer Anleitung, die ihre IT direkt umsetzen konnte. Das ist ein belastbarer Referenzpunkt.


8. Vertragliche Eckpunkte#

PunktEmpfehlung
VertragsformEin Rahmenvertrag, je Stufe eine eigene Beauftragung mit Fixpreis, Umfang und Abnahmekriterien
Zahlung40 % bei Beauftragung, 30 % bei Zwischenabnahme, 30 % bei Abnahme — oder monatliche Teilrechnung bei längeren Stufen
UmfangsänderungenSchriftlicher Change-Request mit Aufwandsangabe. Keine mündlichen Erweiterungen
IPVollständige Übertragung an Flexopack, im Preis enthalten. Das ist bewusst gewählt: der Vertrauensgewinn ist mehr wert als ein Wiederverwendungsrecht, das ohnehin nicht genutzt würde
RepositoryIn der GitHub-Organisation von Flexopack, wir als Mitarbeitende. Sichtbar von Tag eins
HaftungBegrenzt auf die Auftragssumme der jeweiligen Stufe. Ausschluss von Folgeschäden, insbesondere Produktionsausfall. Notfallbetrieb als Mitwirkungspflicht des Kunden
Verfügbarkeit„Best effort" mit Zielwerten, ausdrücklich keine SLA mit Pönale. Wer Pönalen zusagt, muss Redundanz bauen und rund um die Uhr erreichbar sein
MitwirkungspflichtenConnector-VM, Netzzugang, Ansprechpartner je Bereich, Zugang zum ABAS-Partner, Testsystem, Abnahmen innerhalb definierter Fristen
DatenschutzAVV nach Art. 28 DSGVO inkl. Unterauftragsverarbeiter-Liste (Cloudflare, Neon, Resend)
VersicherungVor Beauftragung einer vitalen Stufe: Berufs-/Vermögensschadenhaftpflicht für IT-Dienstleistungen prüfen und ggf. abschließen

9. Sprachregelung für den Termin#

Wenn nach Zahlen gefragt wird:

„Über alle Ausbaustufen bewegt sich so ein Programm im niedrigen sechsstelligen Bereich, verteilt über zwei bis drei Jahre — in Phasen, die einzeln beauftragt und einzeln gestoppt werden können. Die erste Phase, Analyse und Architektur, liegt im niedrigen fünfstelligen Bereich. Ein belastbares Angebot kann ich erst nach dieser Analyse machen; vorher wäre jede Zahl geraten."

Wenn nach den laufenden Kosten gefragt wird:

„Der Betrieb der Plattform selbst liegt bei 50 bis 100 Euro im Monat. Die relevanten laufenden Kosten sind Hardware, eventuell Lizenzen auf ABAS-Seite und die Wartung — und die kann ich beziffern, sobald der Umfang steht."

Wenn gefragt wird, warum nicht alles auf einmal:

„Weil ich Ihnen nicht seriös etwas anbieten kann, dessen wichtigste Voraussetzung — der Zugang zu ABAS — heute noch niemand im Raum kennt. Und weil Sie nach der ersten Stufe entscheiden können sollen, ob Sie weitermachen wollen. Das ist für Sie die günstigere Konstruktion, nicht für mich."

Wenn der Einzelentwickler-Einwand kommt:

„Berechtigte Frage. Deshalb liegt der Code von Anfang an in Ihrem Repository, das geistige Eigentum geht vollständig an Sie über, und der Stack ist bewusst absoluter Standard — TypeScript, SvelteKit, PostgreSQL. Jede Agentur kann das übernehmen. Zusätzlich gibt es einen täglichen Export Ihrer Daten in Ihr eigenes Netz. Sie sollen von mir nicht abhängig sein — Sie sollen mit mir arbeiten, weil es funktioniert."

07 · Meeting-Kit — Erstgespräch Flexopack

Zum Ausdrucken und Mitnehmen. Ablauf, vollständiger Fragenkatalog, Beobachtungscheckliste, Notizraum. Kurzfassung fürs Handy: 08-cheatsheet.md.


Ziel des Termins#

Erkundung, kein Pitch. Am Ende des Tages sollen fünf Dinge erreicht sein:

  1. Verstehen, wie Flexopack tatsächlich produziert — vom Kundenauftrag bis zur fertigen Rolle.
  2. Verstehen, was ABAS in diesem Haus ist, kann und darf.
  3. Die kritischen Unbekannten schließen: ABAS-Version und Lizenz, IT-Verantwortung, WLAN in der Halle, Betriebsrat, Altsystem Zeiterfassung, Lohnverrechnung, Entscheidungsweg.
  4. Fachlich so auftreten, dass die Architekturhoheit bei uns landet.
  5. Eine Größenordnung nennen können, ohne eine Zahl zu raten.

Was ausdrücklich nicht Ziel ist: ein Angebot platzieren, Technologie verkaufen, Umfang zusagen.


Vorgeschlagener Ablauf#

BlockDauerInhalt
1 · Einstieg10 minDank für das Handout — es ist ungewöhnlich gut gemacht. Kurz die eigene Lesart spiegeln: drei Blöcke, ein Fundament. Erwartung setzen: heute Zuhören und Verstehen, danach ein belastbarer Vorschlag
2 · Rundgang durch die Produktion45–60 minDer wichtigste Block. Einen echten Auftrag physisch verfolgen: Büro → Vorstufe → Klischee → Farbe → Druck → Rollenschneider → Versand. Fragen stellen, fotografieren, Papier einsammeln
3 · ABAS am Bildschirm20–30 minMit der Person, die tatsächlich damit arbeitet. Einen echten Fertigungsauftrag durchgehen
4 · Zeiterfassung & Personalthemen20 minAltsystem, Lohnverrechnung, Betriebsrat
5 · IT & Netzwerk20 minMit der IT-Verantwortung: Server, VM, Firewall, WLAN, Tablets, M365
6 · Architektur & Rahmen20 minIhre zwölf Fragen beantworten, Vorgehen skizzieren, Größenordnung nennen
7 · Nächste Schritte10 minWer liefert was bis wann. Termin für den Vorschlag vereinbaren

Wenn die Zeit knapp wird: Block 2 und Block 3 sind unverzichtbar. Block 6 kann schriftlich nachgereicht werden — das ist sogar besser.


Mitnehmen#


A · Unternehmen, Ziele, Entscheidung#

  1. Was ist der Auslöser gerade jetzt? Was hat den Ausschlag gegeben?
  2. Woran würden Sie in zwölf Monaten erkennen, dass sich die Investition gelohnt hat?
  3. Was ist heute der teuerste einzelne Missstand — in Euro oder in Stunden?
  4. Wer entscheidet über das Budget, und wer muss zustimmen?
  5. Gibt es einen Zeitrahmen oder ein Ereignis, auf das hin geliefert werden soll?
  6. Gab es schon Digitalisierungsanläufe? Was ist daran gescheitert?
  7. Wurde bereits mit anderen Anbietern gesprochen — MES-Herstellern, dem ABAS-Partner?
  8. Gibt es IT-Ressourcen oder Vorgaben auf Eigentümerebene?

B · Produktion und Prozess (auf dem Rundgang)#

  1. Wie kommt ein Auftrag ins Haus, und was passiert bis zum ersten Meter Druck?
  2. Wer legt die Reihenfolge auf den Maschinen fest? Wie oft ändert sie sich pro Tag?
  3. Was sind die tatsächlichen Gründe, warum ein Auftrag nicht starten kann? (vermutlich mehr als die vier Hakerl)
  4. Wie erfährt die Maschine heute, dass Klischee und Farbe fertig sind?
  5. Wie oft wird ein Rüstvorgang begonnen und abgebrochen, weil etwas fehlt?
  6. Wie lange dauert ein Rüstvorgang im Schnitt? Was kostet eine Maschinenstunde?
  7. Wie viele Schichten, wie viele Personen je Schicht, wie läuft die Übergabe?
  8. Wo wird heute Papier geführt? (Alles einsammeln oder fotografieren)
  9. Was passiert bei einer Kundenreklamation — wie lange dauert eine Rückverfolgung?
  10. Wie wird Ausschuss heute erfasst und ausgewertet?
  11. Was passiert bei einer Störung? Wer wird wie informiert?
  12. Welche Kennzahlen betrachtet die Leitung heute, und woher kommen sie?

C · ABAS#

  1. Welche ABAS-Version, wann zuletzt aktualisiert?
  2. Wer ist Ihr ABAS-Partner, und wer dort macht die Anpassungen?
  3. Ist die REST-API lizenziert und aktiviert? Falls nein: Kosten? Lizenzbedingungen ab 09/2017?
  4. On-premise auf eigenem Server oder beim Partner gehostet? Welches Netzsegment?
  5. Ist abas Connect oder EDI-Middleware im Einsatz?
  6. Wer hat Infosysteme oder FO-Anpassungen gebaut? Gibt es Dokumentation?
  7. Sind Klischee und Farbvorbereitung Arbeitsgänge im Arbeitsplan?
  8. Bucht heute jemand Rückmeldungen? Ist das BDE-Modul lizenziert?
  9. Können Sie einen geplanten CSV-Export der offenen Fertigungsaufträge bereitstellen? ← nicht ohne Antwort gehen
  10. Gibt es ein Test-/Sandbox-System?
  11. Wer pflegt Stammdaten, und wie aktuell sind sie wirklich?
  12. Welche Auswertungen gibt es heute aus ABAS, und warum reichen sie nicht?

Am Bildschirm zeigen lassen: Kundenauftrag → Fertigungsauftrag → Arbeitsplan → Druckliste → Rückmeldung → Charge auf Lieferschein → ein genutztes Infosystem.

D · Zeiterfassung und Personal#

  1. Was ist das Altsystem — Hersteller, Version, Support noch aktiv?
  2. Was genau funktioniert daran nicht?
  3. Wer macht die Lohnverrechnung — intern oder Steuerberater? Welche Software?
  4. Was übergibt das Altsystem heute an die Lohnverrechnung, in welchem Format? Rohzeiten oder bewertete Stunden?
  5. Gleitzeit oder feste Schichten? Wie viele Schichtmodelle? Zeitausgleichskonten?
  6. Welcher Kollektivvertrag für Arbeiter, welcher für Angestellte?
  7. Gibt es einen Betriebsrat?
  8. Gibt es eine bestehende Betriebsvereinbarung zur Zeiterfassung?
  9. Wie laufen Urlaubsanträge heute? Wer genehmigt?
  10. Wie wird Krankenstand heute gemeldet und dokumentiert?
  11. Wie viele Zutritte brauchen ein Terminal? Gibt es Badges — welcher Typ?
  12. Brauchen Außendienst oder Fahrer mobile Erfassung?
  13. Wie viele Korrekturen pro Monat, und wer macht sie?

E · IT, Netzwerk, Geräte#

  1. Wer ist für die IT verantwortlich — intern oder ein IT-Haus? Name und Kontakt.
  2. Welche Servervirtualisierung ist im Einsatz? Kann eine VM für den Connector bereitgestellt werden?
  3. Ist ausgehendes HTTPS aus dem Serversegment erlaubt? Gibt es einen Proxy?
  4. Haben die Tablets in der Halle Internetzugang, oder ist das Shopfloor-WLAN isoliert?
  5. Wie ist die WLAN-Abdeckung an jeder Maschine, im Farblager, in der Klischeekleberei?
  6. Wie viele Tablets, an welchen Positionen? Fest montiert oder mitgeführt?
  7. Wer würde die Geräte verwalten? Gibt es bereits ein MDM?
  8. M365-Tenant vorhanden? Entra ID? Wer hat Lizenzen — auch die Produktion?
  9. Welche Microsoft-Forms-Formulare laufen heute? Exporte erbitten.
  10. Wer ist Datenschutzverantwortlicher?
  11. Wie ist die Backup-Strategie im Haus? Gibt es einen Fileserver für Exporte?

F · Farblager und Chargen#

  1. Wie viele Kannen/Positionen, wie viele Regalplätze im Farblager?
  2. Gibt es heute eine Etikettierung, oder muss neu ausgezeichnet werden?
  3. Gibt es eine Waage? Mit Schnittstelle?
  4. Wer mischt Farben an? Entstehen dabei neue Gebinde?
  5. Wie hoch sind Schwund und Verfall heute?
  6. Welche Lieferanten liefern Rohware, mit welchen Etiketten/Barcodes? ← fotografieren
  7. Wie viele Chargenwechsel pro Schicht?
  8. Gibt es Auditanforderungen (ISO 22000, BRC, FSC)?

G · Maschinenheft#

  1. Das echte Maschinenheft ansehen — jede Seitenart fotografieren.
  2. Wie viele Einträge pro Schicht?
  3. Was passiert heute mit den Informationen? Liest die Leitung sie?
  4. Gibt es eine formale Schichtübergabe?
  5. Muss das Heft bei Audits vorgelegt werden?

Beobachtungscheckliste — Hallenrundgang#

Nicht fragen, sondern anschauen:

Fotos mitnehmen von: Maschinenheft (alle Seitenarten) · Druckliste · Rohwarenetiketten · Farblager · Maschinenumgebung · vorhandenen Papierformularen · Terminal der alten Zeiterfassung.


Was gesagt werden sollte, auch ohne Pitch#

Drei Sätze, die den Rahmen für alles Weitere setzen:

1 · Zur Architektur

„ABAS steht bei Ihnen im Haus, hinter der Firewall. Der übliche Fehler ist, daraus zu schließen, dass die neue Anwendung auch dort laufen muss. Muss sie nicht — nur ein kleiner Connector, der ausschließlich von innen nach außen telefoniert. Dann brauchen wir keine Firewall-Öffnung, kein VPN, und Ihre ABAS-Zugangsdaten verlassen das Haus nie."

2 · Zur Datenhaltung

„Wir haben vorab klassifiziert, welche Daten in so einem System entstehen. Krankenstände sind Gesundheitsdaten nach Artikel 9 DSGVO. Zeit- und Leistungsdaten sind eine Kontrollmaßnahme nach § 96 Arbeitsverfassungsgesetz und brauchen in aller Regel eine Betriebsvereinbarung. Beides behandeln wir technisch getrennt vom Rest — und beides bespricht man besser vor dem Bauen als danach."

3 · Zum Vorgehen

„Ich würde mit den beiden Bausteinen anfangen, bei denen es ungefährlich ist, wenn wir uns irren — Maschinenheft und Service Portal. Beide brauchen kein ABAS, beide ersetzen etwas, das es schon gibt, und beide zusammen beweisen das komplette Fundament. Wenn das nach acht Wochen an der Maschine benutzt wird, wissen wir beide, dass der Rest trägt."


Ihre zwölf Fragen — Kurzantworten#

#FrageAntwort in einem Satz
1Welche Gesamtarchitektur?Eine Webplattform in der EU-Cloud, ein kleiner Connector im Werk für ABAS, Tablets als PWA mit Offline-Fähigkeit — eine Benutzerverwaltung, eine Datenbank, eine Schnittstelle
2Welche M365-Komponenten weiterverwenden?Nur die Anmeldung fürs Büro (Entra ID) — Forms wird ersetzt, weil es keine Zuständigkeiten, keinen Status und keine Historie kennt
3Welche Datenplattform?PostgreSQL in der EU-Region, Schema versioniert im Git, tägliche Exporte in Ihr eigenes Netz
4Benutzer, Rollen, Rechte?Rollen × Bereiche, beides administrierbar; Badge + PIN in der Halle, SSO im Büro; Personaldaten als eigene Rolle, nicht als Hierarchiestufe
5Welche ABAS-Schnittstellen?REST-API (lizenzabhängig), EDP-Protokoll als Rückfall, CSV-Export als Notausgang — lesen zuerst, schreiben in einer zweiten Stufe über eine Warteschlange
6Modular und erweiterbar?Maschinen, Bereiche, Workflowschritte und Rollen sind Daten mit Admin-Oberfläche, nicht Programmcode
7Welche 2–3 Module als Pilot?Maschinenheft und Service Portal — die zwei, bei denen ein Irrtum folgenlos bleibt; danach Chargenscan
8Tablets, Scanner, Offline?Tab Active5 mit Kamera-Scan, PWA mit lokalem Zwischenspeicher und Sendewarteschlange, bei schlechtem WLAN LTE statt Serverumbau
9Logging, Backup, Fehler, Sicherheit?Unveränderliches Änderungsprotokoll ab Tag eins, verifizierte Backups plus Export ins Haus, sichtbare Fehlerkonsole für ABAS, Zugangsdaten bleiben im Werk
10Was zukaufen?Zeiterfassungs-Regelwerk, Geräteverwaltung, Etikettendruck, ABAS-seitige Anpassungen — selbst gebaut wird nur, was es fertig nicht gibt
11Wie Insellösungen vermeiden?Insellösungen entstehen durch mehrfache Benutzerverwaltung, mehrfache Stammdaten und mehrfache Schnittstellen — die gibt es hier jeweils nur einmal
12Kosten?Betrieb 50–100 €/Monat; Entwicklung phasenweise, erste Phase im niedrigen fünfstelligen Bereich, Gesamtprogramm über Jahre im niedrigen sechsstelligen — belastbar erst nach der Analyse

Nächste Schritte vereinbaren#


Notizen#

Anwesend:



Wichtigste Erkenntnis des Tages:



ABAS-Situation:



Netzwerk / IT:



Betriebsrat / Zeiterfassung:



Was mich überrascht hat:



Was ich unterschätzt habe:



Nächster Schritt, konkret:

08 · Cheatsheet — Handy-Version

Kurz. Im Termin unauffällig nachschlagbar.


Wer sitzt mir gegenüber#


Die 6 Fragen, ohne deren Antwort ich nicht heimfahre#

  1. Welche ABAS-Version, und ist die REST-API lizenziert?
  2. Können Sie notfalls einen CSV-Export der offenen Fertigungsaufträge liefern?
  3. Gibt es ein ABAS-Testsystem?
  4. Haben die Tablets in der Halle Internetzugang, oder ist das WLAN isoliert?
  5. Gibt es einen Betriebsrat — und eine bestehende Betriebsvereinbarung zur Zeiterfassung?
  6. Wer ist für die IT verantwortlich, und wer ist Ihr ABAS-Partner? (Namen!)

ABAS-Vokabular#

BegriffBedeutung
ArtikelProdukt oder Material
Stücklistewas hineingeht
ArbeitsplanAbfolge der Arbeitsgänge
Arbeitsgangeinzelner Schritt mit Arbeitsplatz, Rüst- und Stückzeit
Arbeitsplatz / Kostenstelle= Maschine
KundenauftragVerkaufsauftrag
FertigungsauftragProduktionsauftrag ← das Mapping-Zentrum
RückmeldungArbeitsgang erledigt: Gutmenge, Ausschuss, Zeiten
ChargeLos-/Chargennummer
Infosystemindividuell gebaute Maske
FOABAS-eigene Programmiersprache
BDEBetriebsdatenerfassung
PZEPersonalzeiterfassung

Technisch belegbar: REST-API mit OAuth 2.0, Objekte als Datenbank:Gruppe (z. B. 2:1 Artikel). EDP-Protokoll TCP Port 6550 als Rückfall. Rückmeldung = Objekt 09:02 mit Modus DONE; ABAS bringt dafür die Infosysteme BDE buchen und BDE-Rückmeldung ab Werk mit. REST braucht etwa Version 2019r4+ und eine freigeschaltete Lizenz.

Merksatz: Wir sind ein Satellit, kein Ersatz. ABAS bleibt Wahrheit für Aufträge und Kosten — wir sind Wahrheit für das, was in der Halle passiert.


Die drei Sätze#

Architektur

„ABAS steht hinter Ihrer Firewall. Der übliche Fehler ist, daraus zu schließen, die neue Anwendung müsse auch dort laufen. Muss sie nicht — nur ein kleiner Connector, der ausschließlich von innen nach außen telefoniert. Keine Firewall-Öffnung, kein VPN, und Ihre ABAS-Zugangsdaten verlassen das Haus nie."

Daten und Recht

„Krankenstände sind Gesundheitsdaten nach Artikel 9 DSGVO. Zeit- und Leistungsdaten sind eine Kontrollmaßnahme nach § 96 Arbeitsverfassungsgesetz und brauchen meist eine Betriebsvereinbarung. Beides behandeln wir technisch getrennt — und bespricht man besser vor dem Bauen als danach."

Vorgehen

„Ich würde mit den zwei Bausteinen anfangen, bei denen es ungefährlich ist, wenn wir uns irren: Maschinenheft und Service Portal. Kein ABAS nötig, beide ersetzen etwas Vorhandenes, und zusammen beweisen sie das ganze Fundament."


Wenn nach Geld gefragt wird#

„Über alle Ausbaustufen bewegt sich so ein Programm im niedrigen sechsstelligen Bereich, verteilt über zwei bis drei Jahre — in Phasen, die einzeln beauftragt und einzeln gestoppt werden können. Die erste Phase, Analyse und Architektur, liegt im niedrigen fünfstelligen Bereich. Ein belastbares Angebot kann ich erst danach machen; vorher wäre jede Zahl geraten."

„Der Betrieb der Plattform selbst kostet 50 bis 100 Euro im Monat."

Interne Zahlen (nicht nennen): Analyse € 10–14k · Fundament + Pilot € 30–45k · Chargen/Farblager € 15–25k · Produktionssteuerung € 40–65k · ABAS unsere Seite € 8–15k · Dashboards € 12–20k · Wartung € 400–1.200/Monat. Vergleich: Standard-MES € 80–200k Lizenz + Einführung plus 18–22 % Wartung jährlich.


Wenn der Einzelentwickler-Einwand kommt#

„Berechtigte Frage. Der Code liegt von Tag eins in Ihrem GitHub-Repository, das geistige Eigentum geht vollständig an Sie über, und der Stack ist bewusst absoluter Standard — TypeScript, SvelteKit, PostgreSQL. Jede Agentur kann übernehmen. Dazu ein täglicher Export Ihrer Daten in Ihr eigenes Netz. Sie sollen nicht von mir abhängig sein."


Pilotempfehlung#

1. Maschinenheft · 2. Service Portal → danach Chargenscan → Produktionstafel als Höhepunkt von Phase 3 (vorher nur als klickbarer Prototyp zeigen).

Begründung: die zwei Bausteine wählen, bei denen ein Fehler folgenlos ist — sie beweisen trotzdem das komplette Fundament (Badge-Login, Rollen, Tablet, Offline, Fotos, Suche, Admin).


Kritikalität — was darf ausfallen#

VitalWichtigKomfort
Produktionstafel, Chargenscan, ABAS-RückmeldungZeiterfassung, Rollenschneider, Klischee-/FarblistenMaschinenheft, Farblager, Service Portal

Jedes vitale Modul bekommt einen dokumentierten Notfallbetrieb (druckbare Tagesliste, Papierformular). Das ist normale Fertigungspraxis — und der Haftungsschutz, der wirklich wirkt.


Nicht vergessen#


Falls die Antwort lautet „das weiß bei uns niemand"#

(zur ABAS-Anpassung, zur Lizenz, zum Testsystem)

„Dann ist der erste Schritt ein kurzer, bezahlter Machbarkeits-Check gemeinsam mit Ihrem ABAS-Partner. Alles andere wäre geraten — und geratene Integrationsangebote sind der Grund, warum solche Projekte scheitern."

Und nie vergessen: niemals Rückschreiben gegen ihr Live-System testen.

09 · Risiken und offene Punkte

Was das Projekt zum Scheitern bringen kann, wie man es entschärft, und was nach dem Erstgespräch beantwortet sein muss.


1. Risikoregister#

Bewertung: W = Wahrscheinlichkeit, A = Auswirkung. Sortiert nach Produkt aus beidem.

#RisikoWAGegenmaßnahme
R1ABAS-REST nicht lizenziert oder Freischaltung teuer/langwierighochhochCSV-Export als Notausgang von Anfang an vereinbaren; Phasen 1–2 vollständig ABAS-frei planen; Lizenzkosten als Kundenposition, nicht als unsere
R2Niemand kennt die ABAS-Anpassungen des HausesmittelhochBezahlter Machbarkeits-Spike mit dem Partner vor jedem Integrationsangebot. Nie pauschal anbieten
R3Kein Betriebsrat-Einverständnis / keine Betriebsvereinbarung — blockiert Zeiterfassung und ggf. MaschinenheftmittelhochFrüh ansprechen, Betriebsrat im Pilot einbinden, datensparsam gestalten, Zeiterfassung ans Ende der Roadmap
R4Akzeptanz in der Halle — Tablets werden nicht benutztmittelhochPilot ersetzt etwas Vorhandenes; Bediener früh einbinden; Zielwert < 20 s pro Standardeintrag; auf echtem Gerät an echter Maschine testen
R5Datenqualität in ABAS (Termine, Arbeitspläne nicht gepflegt)mittelhochIm Rundgang prüfen; falls schlecht: eigene Planungsdaten führen und das explizit als Umfang benennen
R6Umfangswucherung — jeder Bereich will sein SonderformularhochmittelKonfigurierbarkeit statt Sonderfälle; schriftliche Change-Requests; Phasenumfang fixiert
R7WLAN in der Halle unzureichend oder isoliertmittelmittelVor Ort messen; Offline-Outbox ab Phase 1; LTE-Tablets als Lösung statt On-Premise-Server
R8Kapazität SB Media — 24–30 Monate parallel zu anderen KundenmittelhochPhasen mit klaren Zeitfenstern; keine Zusagen über die aktuelle Phase hinaus; ggf. Partnerbetrieb als Rückfallebene benennen
R9Einzelentwickler-Einwand blockiert die EntscheidungmittelhochAntwort vorbereitet halten: IP-Übertragung, Repo beim Kunden, Standard-Stack, tägliche Datenexporte, Dokumentation als Liefergegenstand
R10Loxone entscheidet, intern zu bauenniedrighochFrüh klären, ob Gruppen-IT existiert; Positionierung: Loxone baut Gebäudeautomation, nicht Flexo-MES; interne Teams sind ausgelastet
R11Falsche Rückmeldungen an ABAS erzeugen falsche Rechnungenniedrigsehr hochNie synchron; Warteschlange mit sichtbarer Fehlerkonsole; Testsystem zwingend; Vier-Augen-Freigabe in der Einführungsphase; nie gegen Live testen
R12Verlust personenbezogener Daten (Krankenstand, Zeitdaten)niedrigsehr hochGetrenntes Schema, minimale Felder, Rollenbindung, RLS als zweite Wand, Zugriffsprotokoll, kurze Aufbewahrung
R13Verlorenes Tablet mit Offline-DatenmittelmittelMDM/Knox, Geräteverschlüsselung, PIN, Fernlöschung, begrenzter Cache-Umfang und -Zeitraum
R14Erstbestandserfassung Farblager wird nicht gemachtmittelmittelAufwand (1–2 Personentage, Kundenseite) früh und deutlich benennen; Modul erst starten, wenn zugesagt
R15Preisschock beim GesamtprogrammmittelmittelNie die Gesamtsumme isoliert nennen; immer Phasen, Vergleich zum MES, laufende Kosten von 50–100 €/Monat
R16Abhängigkeit von Cloudflare/NeonniedrigmittelStandard-Postgres ohne proprietäre Features; täglicher Export ins Kundennetz; Migrationspfad dokumentiert

2. Die drei Punkte, die das Projekt wirklich entscheiden#

1 · Sind Klischee und Farbvorbereitung Arbeitsgänge in ABAS? Davon hängt das gesamte Datenmodell von Baustein 7 ab — ob wir eine Sicht auf ihre Daten bauen oder das führende System für die Vorstufenkette werden. Nicht raten. Am Bildschirm ansehen.

2 · Gibt es einen Weg an ABAS-Daten heran, der nicht von der Lizenzfrage abhängt? Ein zugesagter CSV-Export macht Phase 1 bis 3 unabhängig von ABAS-Politik. Ohne diese Zusage hängt der Zeitplan an einem fremden Vertrag.

3 · Wird das Tablet in der Halle tatsächlich benutzt? Alles andere ist umsonst, wenn nicht. Deshalb der Pilot mit einem Prozess, den es schon gibt, und ein früher Test am echten Gerät an der echten Maschine mit einem echten Bediener.


3. Offene Punkte nach Themen#

ABAS#

IT und Netzwerk#

Recht und Personal#

Prozess und Fachlichkeit#

Kommerziell#


4. Abbruchkriterien — wann man dieses Projekt nicht machen sollte#

Ehrlichkeit gegenüber sich selbst gehört in die Planung. Nicht annehmen, wenn:

Keiner dieser Punkte ist absehbar. Sie stehen hier, damit sie im Ernstfall bereits durchdacht sind.

CLAUDE.md

Status: pre-contract. Nothing is built. .planned/ holds the full research and architecture; .loop/ holds the build harness. Do not start building until a phase is actually commissioned — see .loop/TODO.md.


The project#

Flexopack OPS — an internal production and employee platform for Flexopack Verpackungen GmbH, a ~50-person flexographic printing plant in Allhaming, Austria. Tablets at the presses capture what happens on the shop floor; a readiness board makes production status visible in real time; an on-prem connector syncs with their ABAS ERP.

Stack: SvelteKit · Cloudflare Workers · Neon Postgres (EU) · Better Auth · Drizzle · Cloudflare R2 · Resend Product type: internal tool — single tenant, ~50 users, no signup, no billing, no public surface

Read before you work#

Before...Read
schema, auth, storage, or API work.loop/STACK.md — and tick §9 as you implement
any UI/frontend work.loop/DESIGN.md
writing code at all.loop/PRINCIPLES.md
anything touching ABAS.planned/02-abas-studie.md
picking up where we left off.loop/TODO.md, then recent .loop/DEVLOG.md

Full plans and client research: .planned/ (01 Briefing · 02 ABAS · 03 Architektur · 04 Module · 05 Zeiterfassung · 06 Kommerziell · 07 Meeting-Kit · 08 Cheatsheet · 09 Risiken).

Rules that can't wait for a file read#

Working agreement#

GOALS

Quick-glance picture of the project: what it is, who it's for, and what "done" means. Written at planning time, revised only when the direction actually changes — not a running log (that's DEVLOG.md) and not a task list (that's TODO.md). Reference .planned/ for detail rather than restating it.


Status#

Pre-contract. Nothing is built. The client meeting that decides scope happens 10.08.2026 in Allhaming. .planned/ holds the full research, architecture and commercial groundwork; this file describes the project as we intend to build it if the engagement lands.

What this is#

Flexopack OPS — an internal production and employee platform for a flexographic printing plant. It captures what happens on the shop floor where it happens (tablets at the presses), makes production readiness visible in real time, and hands the ERP the summaries it needs.

Product type: internal tool (single tenant, ~50 users, one factory) Users: ~30 production staff (press operators, shift leads, prepress/Klischee, colour prep, Rollenschneider) on rugged tablets; ~15 office staff (Arbeitsvorbereitung, Innendienst, HR) on desktop; management on dashboards.

Why it exists#

Today the plant runs on paper and shouting. The office prints a Druckliste, prepress and colour prep signal readiness verbally, machines discover missing prerequisites mid-setup, batch numbers are copied by hand three times, and the Maschinenheft is a physical book nobody can search. Every one of those is a source of lost machine hours or lost traceability.

The client documented this themselves in Flexopack_Projektuebersicht_Digitalisierung_Niklas_Simmel.pdf — ten building blocks, five phases, twelve questions.

Success criteria#

v1 (Fundament + Pilot) counts as working when:

Scope#

In (as currently planned):

Out (for now):

Shape of the build#

Open questions#

Settled by the client meeting and the discovery phase; delete as they resolve.

TODO


Keeping this file lean: the current phase and the 5 most recent completed phases stay here in full (this is the go-to record of what shipped per phase). Older, fully-ticked phases get moved verbatim to .loop/.archive/TODO-archived.md and replaced here with a one-line stub: ## Phase N — <title> ✅ → archived.

Run node .loop/archive.mjs todo to do it — don't move the content by hand, it's slow and easy to mangle. The script only touches fully-ticked phases, moves oldest-first, and appends to the archive. --dry-run to preview, --keep=N to change retention. Phase headings must start with ## Phase for it to see them.


Nothing is built yet. Phase 0 is pre-contract work. Phases 1+ start only once the corresponding stage is commissioned. Detail for every phase lives in .planned/.


Phase 0 — Erstgespräch & Discovery#

Goal: Leave the client meeting with the six blocking unknowns answered, and turn that into a specification precise enough to quote Phase 1 against.

Pre-meeting (done):

In the meeting:

After the meeting:

Done when: the six blocking unknowns are answered in writing, the Zeiterfassung option is chosen, and a fixed-price Phase 1 proposal has been sent.


Phase 1 — Fundament + Pilot#

Goal: A production-usable platform with two low-risk modules live on real tablets at real machines.

Done when: a Maschinenheft entry takes under 20 seconds on a real tablet at a real machine, survives a WLAN dropout, and the shift handover is being used without prompting.


Phase 2 — Chargen & Farblager#

Goal: Batch numbers and colour inventory captured by scanning, with full traceability in both directions.

Done when: a full traceability query for a delivered roll returns in seconds instead of hours, and the colour store shows where a given colour physically is.


Phase 3 — Produktionssteuerung#

Goal: The Leitstand — everyone sees the same production reality, and readiness is a fact rather than a phone call.

Done when: the paper Druckliste is no longer printed, and no setup is started for an order that isn't actually ready.


Phase 4 — ABAS-Anbindung#

Goal: Read production orders from ABAS automatically; write feedback back safely.

Done when: feedback posted at the machine appears in ABAS without anyone retyping it, and a failure is visible rather than silent.


Phase 5 — Zeiterfassung#

Goal: Per the option chosen in Phase 0. Not started before the Betriebsvereinbarung situation is settled.

Done when: § 26 AZG records are complete and auditable, and payroll receives the data in the format it expects.


Phase 6 — Dashboards & KPIs#

Goal: Management sees performance derived from data already captured — nothing maintained twice.

Done when: the management figures in the PDF's page 4 exist without anyone maintaining a spreadsheet.

STACK.md

Security + architecture guardrails for this project. Read before writing schema, auth, storage, or API code.

How to use this file


0. Decisions#

ChoiceNotes
Product typeInternal toolone company, one factory, ~50 users. No signup, no billing, no public surface
FrontendSvelteKit, TypeScript strict, pnpmno trigger for Next.js
HostCloudflare Workers (adapter-cloudflare)brings R2 + Queues; no per-seat cost
DatabaseNeon Postgres, EU region (Frankfurt)HTTP driver; EU data residency is a client-facing argument
Authz postureB — app-enforced (server-only repository layer)single tenant; the real risk is role leakage, not cross-tenant. RLS added as a second wall on HR tables only
AuthBetter Authmust support NFC badge + PIN on shared devices; optional Entra ID SSO for office
Tenant modelSingle-tenant, product-shapedmachines, areas, roles, workflow steps, statuses are data with an admin UI — never hardcoded
StorageCloudflare R2 (Worker binding)Maschinenheft photos, attachments, generated labels
EmailResend via one internal portnotifications, approvals
Background jobsCloudflare Queues for the ABAS outboxTrigger.dev only if work appears that genuinely doesn't fit
RealtimePolling, 5–10 s~30 tablets is nothing; degrades gracefully on bad WLAN
OfflinePWA: read cache + write outbox, from Phase 1brutal to retrofit
ERP integrationOn-prem connector agent, outbound polling onlyno inbound firewall rule, no VPN; ABAS credentials never leave the factory

UI language: German. Code language: English, except domain nouns that stay German verbatim — klischee, charge, rueckmeldung, fertigungsauftrag, arbeitsgang, maschinenheft, schicht. Translating those invites ambiguity in every conversation with the client and their ABAS partner.


1. Security — non-negotiable#

2. Authorization posture — B, app-enforced#

There is no database safety net here. Compensate structurally, not by discipline:

3. Data layer#

4. Serverless connection rules#

Short-lived isolates can't hold a connection pool. The HTTP driver above sidesteps this entirely — that's why it's the default. If a path genuinely needs interactive transactions, use the Neon WebSocket driver for that path only; do not introduce a TCP pool.

Cloudflare Workers ≠ Node. Use adapter-cloudflare; some Node-API libraries need nodejs_compat or simply break. Check before adding a dependency — this applies especially to barcode, PDF and image libraries.

5. Storage#

6. Email#

7. Cheap cross-cutting wins#

8. Background / heavy work#

9. Guardrails checklist#

Written at planning time. The QA pass audits against exactly this list. Tick items as they are implemented.

Authorization & tenancy#

Personal data (S1 / S2)#

Audit trail#

Offline & data integrity#

ABAS boundary#

Secrets & environment#

Storage#

Operations#

Product-shaped#

10. Project specifics#

PRINCIPLES.md

How we work in this codebase. Read before writing code.

How to use this file


1. Shipped defaults#

Process management#

No emojis#

data-e identifier attribute#

Comments#

Dependencies#

Scope discipline#

2. Project additions#

Language#

Folder layout#

src/lib/server/db/        the ONLY place that imports `db`. One module per aggregate.
src/lib/server/auth/      session, badge/PIN, station binding
src/lib/server/email/     send.ts — the single email port
src/lib/server/abas/      outbox writer + connector API. Nothing else knows ABAS exists.
src/lib/domain/           pure domain logic, no I/O, unit-tested
src/lib/components/       ui/ (primitives) · floor/ (tablet) · office/ (desktop)
src/routes/(floor)/       tablet routes — density mode "floor"
src/routes/(office)/      desktop routes — density mode "office"
src/routes/(admin)/       configuration UI
apps/connector/           the on-prem agent. Separate deploy, separate lifecycle.

Domain rules that are easy to get wrong#

Testing emphasis#

Process#

3. Overrides & accumulated lessons#

DESIGN.md

Outlines the direction of aesthetic specifically tailored to this project. Source of truth for visual + interaction design. Read before any UI/frontend work.

How to use this file

Direction#

Two contexts, one system#

This is the defining constraint of the project. Same tokens, same components, two density modes:

Floor (tablet at the machine)Office (desktop)
Base font size18–20px body, 28px+ headings14–16px body
Touch/hit targets≥56px, generous gaps≥40px
Information densityone decision per screentables, filters, multi-column
Interactiontap only — no hover state carries meaning, no double-tap, no drag as the only pathfull pointer + keyboard
Inputselection over typing, always. Numeric keypads for quantitiesfree text acceptable

Density is a documented mode (data-density="floor" | "office"), not two codebases.

Typography#

Color#

Surfaces & separation#

Spacing & layout#

Icons#

Motion & interaction#

States (design all of them)#

Graphical assets#

Accessibility#

Do / Don't#

Stack & tokens#

Project specifics#